Solo-Biwak auf der Hohen Kugel

Von Martin Stiegler

Die nächste Nacht im Freien wartet. Nenn es Microadventure, nenn es „Zurück zum Ursprung“ oder „Into the Wild“. Man kann viel darüber schreiben, aber nichts kann am Ende die Erfahrung ersetzen. Also vorab: rausgehen und nachmachen!

Wieder einmal fahre ich hinauf auf die Millrütte, ein kurzer Zustieg und ich bin auf dem Gipfel der Hohen Kugel.

Gipfel Hohe Kugel
Aussicht über das Nebelmeer

Es sieht etwas nach Regen aus, also baue ich mein Zelt auf. Doch ich habe Glück, die Wolken verziehen sich rasch vom Himmel. Währenddessen verdichten sich im Tal die Nebelschwaden und tauchen die Landschaft in milchiges Grau.

Mit dem Zelt auf der Hohen Kugel
Mit dem Zelt auf der Hohen Kugel

Während die Welt unter mir in dichter Watte versinkt ist der Blick hier oben frei und weitläufig. Ich beschließe die Nacht doch im Freien zu genießen und nicht im Zelt.

Mondphänomene

Über dem Bregenzer Wald taucht etwas Rot-Oranges auf. Zuerst denke ich jemand beleuchtet eine weit entfernte Felswand. Doch dann wird mir klar: das ist ein Blutmond (oder Erdbeermond) der sich am Horizont erhebt. Ein faszinierendes Schauspiel, der Mond färbt sich Orange. Ich kann gut nachvollziehen warum die Leute früher Angst vor solchen Phänomenen hatten. Es ist auf jeden Fall ein nachhaltig beeindruckender Anblick.

Blutmond oder Erdbeermond
Blutmond oder Erdbeermond? Daheim auf der Couch jedenfalls nicht zu sehen

Meist liest man in den Medien an Tagen solcher Himmelsschauspiele von DER Nacht, in der man dann den Blutmond oder Erdbeermond bestaunen kann. Und dann ärgert sich so mancher am nächsten Tag, dass er das Highlight verpasst hat. Solche Vorgänge sind allerdings nie auf nur eine Nacht beschränkt – sie sind auch ein paar Tage vor oder nach Vollmond immer noch zu sehen.

Direkt am Gipfel schweift mein Blick in die Ferne, die Straßenbeleuchtung verwandelt den Nebel in ein pulsierendes Lichtmeer. Wer beigeistert von 4K-Screens und Full-HD-Videos schwärmt sollte sich den 360°-Panorama-Screen auf dem Gipfel der Hohen Kugel einmal ansehen! Dagegen verblasst alles andere.

Nebelmeer über Vorarlberg
Das Vorarlberger Rheintal versinkt im Nebelmeer

Ich lasse mich auf meine Isomatte sinken und verkrieche mich in meinen Schlafsack. Mein Blick geht nach oben. Millionen Sterne erscheinen am Firmament. Langsam schwebt der Mond höher und unzählige Sternschnuppen überziehen den Himmel über mir. Staunend drifte in einen seligen Schlaf im Raumschiff Erde.

Schlafsack Übernachten Hohe Kugel
Übernachten unter freiem Himmel – es gibt kaum etwas besseres

Die Magie eines neues Tages

Mit dem Morgen kommt ein neuer Himmel. Der Tag bricht an und die Farben kehren zurück. Was für ein Luxus: Frühstück im Bett, unter freiem Himmel. Ich setze mir erstmal einen Kaffee auf. Zischend vermischt sich der Wasserdampf mit dem Kaffeepulver und mein Schlafzimmer duftet nach frischem Kaffee.

Morgenkaffee auf der Hohen Kugel
Frühstück im Bett unter freiem Himmel

Am frischen Kaffee nippend genieße ich das Schauspiel, dass die Natur mir heute wieder einmal offenbart. Die Nacht weicht zurück und ein neuer Tag bringt neues Licht über die Landschaft.

Kaffee im Schlafsack
Trinken auf die Aussicht
Hoher Kasten Sonnenaufgang
Einfach magisch – der Hohe Kasten im ersten Licht der Sonne

Ich stelle fest: Vorarlberg liegt am Meer! Die Wolken fließen langsam unter mir vorbei Richtung Bodensee. Mediation pur.

Wolkenmeer über dem Rheintal
Nebelmeer über dem Rheintal

Was wir im Alltag als selbstverständlich ansehen, verdichtet sich hier oben zu einer besonderen Erfahrung. Das ist die Magie eines neuen Tages. Ich scheine außerhalb der Zeit zu existieren, bin aber ganz bei mir.

Sonnenaufgang Hohe Kugel
Die Sonne steigt über den Horizont – der Tag ist da.
Blick von der Hohen Kugel Richtung Bregenzerwald
Ohne Worte

Der Tag ist nun da, die Magie schwindet als ich mich auf den Rückweg mache. Zurück zur Produktivität, zurück ins Hamsterrad. Aber die Natur ruft, und wie so oft werde ich den Ruf erhören und wiederkommen.


Hat dir der Artikel gefallen? Ich freu mich sehr über Likes und Kommentare.

Bleib auf dem Laufenden und verpasse keinen Artikel: folge uns auf Facebook, Twitter und Instagram!

21 Kommentare:

  1. Hi Couchflüchtling,
    das war wohl viel besser als Fernsehen! Großartige Bilder, Kompliment von der Outdoorrunde. Sehr schön habt Ihr es da im Vorarlberg! Grüße aus München Claudia

  2. Hoi Martin,
    toll wie du diese Stimmung in den Fotos einfängst. Da möchte man gleich dabei sein. So habe ich unseren Hausberg noch nie gesehen. Weiter so! Freu mich auf weitere tolle Bilder. ??

  3. Hallo Martin, toller Bericht. Würde es gerne wie du mal ohne Zelt probieren. Hattest Du einen Biwaksack dabei bzw. ist eine Übernachtung am Gipfel grundsätzlich erlaubt?

    Herzliche Grüße
    Hubert

    1. Hi Hubert, ich habe schon öfters auf der Kugel geschlafen, meistens nur mit Schlafsack und Isomatte. Kommt halt aufs Wetter drauf an, ich persönlich habe diesen Biwaksack mit dabei falls es regnen kommen sollte -> http://amzn.to/2bdPK2z. Ist halt nur ne Notlösung, wenn Regen vorausgesagt wird, nehme ich das Zelt mit.
      Zur rechtlichen Seite plane ich eh noch einen Blogbeitrag. Solange du den Ort so hinterlässt wie du ihn vorgefunden hast, keinen Lärm machst, etc. dürftest du sicherlich keine Probleme bekommen.

      Schöne Grüße, Martin

  4. Hallo Martin, super toller Bericht. Ich würde gerne wie du mal eine Nacht ohne Zelt probieren. Hattest du einen Biwaksack dabei bzw. ist eine Übernachtung am Gipfel bei uns grundsätzlich erlaubt?

    Herzliche Grüße
    Hubert

  5. Uuuuuh wie geil!
    Tolle Bilder und, ganz offensichtlich, ein tolles Abenteuer! Da werde ich doch mein Mädel im nächsten Jahr auch mal rauf schleifen 🙂
    Danke für den schönen Bericht und die vielen Bilder!

    Und noch eine Frage: Welches Zelt hast du da?

    Gruß
    Dennis

  6. Die Bilder sind einfach der Hammer! Mit welchen Einstellungen bringt man sowas hin? Wäre über ein paar Tipps sehr dankbar! Ich nehme mal an du hast dafür ein Stativ verwendet. Da ich im Rheintal aufgewachsen bin (Schweiz), ist mir dieser Ort natürlich ein Begriff. Definitv mal eine neue Idee für eine Nachttour 🙂

    1. Hallo Björn, danke, freut mich wenn dir die Bilder gefallen und ich dich für eine Nachttour inspirieren kann. Ja, ich habe ein Stativ verwendet da ich 30 Sekunden belichtet habe. Die 30 Sekunden sind das Maximum bei meiner Kamera (ohne Intervallmeter oder Kabelauslöser). Die Blende war voll offen (2.8 bei meinem Objektiv), die ISO habe ich dann entsprechend angepasst, war glaub ich 3200 wenn ich mich recht erinnere.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Artikel könnten dich auch interessieren: