Traumhafte Firnabfahrt am Winterklettersteig Burg

Von Martin Stiegler

Es gibt zwei Arten von Menschen. Diejenigen, welche sich mit ganzem Herzen freuen, wenn endlich der letzte Schnee geschmolzen ist. Wenn warme Luft dem Winter den Garaus macht. Dann gibt es die absoluten Winterfans, welche bis zum allerletzten Tag der Saison am Berg unterwegs sind. Wie wir.

Auch wenn jetzt beste die Saison zum Skitouren ist, gerade im Frühling macht Pistenheizen einfach Spaß. So nutzen wir erstmal perfekten Pistenbedingungen aus bevor wir dann später über den Winterklettersteig Burg ins Backcountry starten.

Wenn der Frühling langsam aber sicher näher rückt sind immer weniger Menschen in Stimmung zum Skifahren und Snowboarden. Das ist natürlich super für all die motivierten Enthusiasten welche immer noch auf den Pisten und zum Skitouren unterwegs sind.

Leere Pisten im Skigebiet Silvretta Montafon
Leere Pisten im Skigebiet Silvretta Montafon

Perfekte Pistenbedingungen

Im Hochwinter sind blanke Eisfelder auf der Piste sind aufgrund von Kunstschnee in Verbindung mit tiefen Temperaturen mittlerweile Normalität geworden. Der Frühling schafft mit warmer Luft Abhilfe.
Durch die klaren, kalten Nächte gefriert die Schneedecke und schafft so optimale Voraussetzungen für eine bestens präparierte Piste. In der Früh warten auf die motivierten Skifahrer und Snowboarder dann Pistenbedingungen wie aus dem Bilderbuch. Die tagsüber ansteigenden Temperaturen lassen die Schneeoberfläche leicht antauen, dadurch werden die Pisten dann supergriffig ohne zu vereisen.

Carven mit Snowboard auf leerer Piste
Einfach laufen lassen auf leeren Pisten

Mit immer weniger Leuten in den Skigebieten hat man jetzt endlich genug Platz um richtig weite und lange Kurven zu ziehen.

Carven macht jetzt extrem viel Spass, die Kanten bohren sich perfekt in die griffige Piste. An solchen Tagen kann man die Fliehkraft spüren und erfährt warum Carving-Skis erfunden wurden.

Ab Mittag ist es leider langsam vorbei mit den perfekten Pisten und der Schnee wird matschig und nass. Überall formen sich Buckel weil die auftauende Piste dem Druck der Skifahrer nicht mehr Stand hält.

Ab ins Gelände, der Firn ruft

Nun wird es Zeit den Blick ins Gelände abseits des Skigebiets schweifen zu lassen: dort erreicht die Sonne erst jetzt die Hänge, welche bis jetzt noch im Schatten lagen. Durch die Sonneneinstrahlung wandelt sich die hartgefrorene Schneeschicht zu Firn um. Und was ist besser als auf der Piste zu fahren? Richtig, freeriden abseits der Piste.

Blick Richtung Zustieg zum Winterklettersteig Burg
Blick Richtung Zustieg zum Winterklettersteig Burg

Für heute haben wir uns besonderen Zugang ins Gelände ausgewählt. Während wir sonst mit Tourenski oder Splitboards unterwegs sind, geht es jetzt zu Fuß über einen Winterklettersteig ins Backcountry.

Hatte ich es erwähnt? Wir befinden uns übrigens im Skigebiet Silvretta Montafon in Vorarlberg. Von der Bergstation der Versettla-Bahn geht es zum 2er-Schlepplift Burg. Am Ende des Burg-Lifts steigt man rechts aus und quert dann direkt den Hang hoch.

Winterklettersteig Burg Zustieg
Die ersten Meter des Zustiegs sind komplett schneefrei

Es gibt keine Wegmarkierung oder Hinweise, allerdings ist der Einstieg zum Winterklettersteig Burg eigentlich nicht zu verfehlen. Man folgt einfach dem Hangverlauf hoch in Richtung der Lawinensprengsäulen (im oberen Bild rechts oben sehr gut zu erkennen).

Winterklettersteig Burg Kletterpassage im Zustieg
Schneefreie Kletterpassage
Winterklettersteig Burg
Schon bevor der Klettersteig überhaupt erreicht ist muss man schon über Felsen

Hier merkt man eindeutig, dass die Wintersaison nicht mehr allzu lange dauern wird. Die ersten Meter marschieren wir über einen schneefreien Wiesenhang und klettern am blanken Fels hoch. Erst nach und nach liegt wieder Schnee. Zum Glück!

Winterklettersteig Burg Zustieg
Zum Glück liegt dann doch noch etwas Schnee
Winterklettersteig Burg Zustieg
Ganz weggeschmolzen ist der Schnee zum Glück noch nicht

Klettersteig Burg – der Spass beginnt

Oben auf dem Grat beginnt der Klettersteig Burg, welcher uns durch blockiges Gelände weiterführt. Der Steig ist mit Schwierigkeitsstufe A/B bewertet. Auf der Schwierigkeitsskala für Klettersteige, welche von A bis E reicht, ist er also am unteren Ende und somit relativ leicht.

Winterklettersteig Burg Überschreitung
Schön gestufter und griffiger Fels

Für den trittsicheren und geübten Bergfex ist das Klettersteigset theoretisch überflüssig wenn kein Schnee liegt und der Weg trocken ist. Aus Sicherheitsgründen empfehle ich natürlich trotzdem den Steig nur gesichert zu gehen.

Winterklettersteig Burg Leiterpassage
Traumhafte Tiefblicke in Tal

Im Hochwinter, wenn mehr Schnee liegt steigt die Schwierigkeit jedenfalls deutlich an. Dann ist der Grat teils mit Schneewächten zudeckt und das Stahlseil verschwindet unter den Schneemassen. In so einer Situation ist man dann froh wenn man sich mit dem Klettersteigset absichern kann und beide Hände zum Freischaufeln des Wegs frei hat.

Winterklettersteig Burg
Hier erkennt man sehr gut wie hoch die Seile teilweise gespannt sind um im Hochwinter nicht komplett unter Schneewächten zu verschwinden
Klettersteig Burg
Winterklettersteig Burg – heute mit sehr wenig Schnee

Der Fels ist griffig und schön gestuft, sodass die Überschreitung ein wahrer Genuß ist. An den sehr hoch gespannten Stahlseilen kann man sehr gut erkennen, wieviel Schnee hier im Hochwinter liegt.

Winterklettersteig Burg
Heute herschen beste Wetterverhältnisse

Heute sind wir froh darüber, dass es leicht geht. Immerhin tragen wir ja unsere Snowboards sowie die Lawinen-Notfallausrüstung auf dem Rücken. So bleibt aber mehr Zeit das Panorama zu genießen.

In schneereichen Wintern ändert sich das Gesicht des Klettersteigs übrigens drastisch. Man muss sich den Weg zum Seil freischaufeln und bricht immer wieder im Tiefschnee ein. Dann ist die Überschreitung gleich deutlich fordernder. Wer allerdings nur schnell in den Tiefschnee im Novatal gelangen will, umrundet den Klettersteig lieber von hinten. Dadurch spart man sich viel Zeit.

Schöne Firnabfahrt vom Winterklettersteig Burg

Am Ende des Klettersteiges machen wir kurz Rast und fahren dann in einen schönen Firn-Hang ein. Der Einstieg führt zwar über ein schmales Schneeband nach unten, aber die Abfahrt ist durchgehend fahrbar.

Klettersteig Burg Abfahrt
Nach kurzer Pause werden die Boards wieder angeschnallt

Die Sonne hat bereits volle Arbeit geleistet und der Schnee fährt sich sensationell gut. So macht der Frühling am Berg Spass!

Klettersteig Burg Abfahrt im Firn
Ein schmales Schneeband weist den Weg nach unten

Wir lassen den Winterklettersteig Burg hinter uns zurück. Nach das Schneeband erwartet uns ein breiter Hang mit viel Platz für schnelle und lange Turns. Anschließend wird es enger und wir schießen Vollgas durch eine enge Einfahrt in eine breite Rinne. Auf die Rinne folgt wieder ein breiter Hang welcher nochmals schöne, weite Slushturns ermöglicht.

Abfahrt ins Novatal
Slushy Turns ins Novatal

Wir kosten den Firn nochmal richtig aus und erreichen über eine kleine Brücke den Rückweg.

Auf dem Ziehweg, der vom Novatal zum Lift zurück führt, kommen wir zum Thema des Tages: Eiskaffee oder doch ein Weizen? Eigentlich hätten wir uns jetzt eine Rast auf der Sonnenterasse verdient bevor es wieder ab ins Tal geht. Die Liegestühle sehen schon verlockend aus.

Silvretta Montafon Sonnenterasse Schwärzköpfle Kiosk Hütte
Chillen auf der Sonnenterasse? Keine Zeit, fürs bräunen ist der Sommer da!

Aber die Tage der Wintersaison sind bald gezählt, also Vollgas weiter. Wir fahren bis zur letzten Gondel durch. Pause wird bei uns höchstens am Lift gemacht.

Silvretta Montafon Pistenheizen mit dem Snowboard
Wir ziehen Pistenheizen dem Grillen im Liegestuhl vor

Während wir hier oben noch unseren Spuren durch den Schnee ziehen ist weiter unten schon Badewetter angesagt. Ich freue mich schon auf den Sommer, aber trotzdem werde ich die Wintersaison bis zum letzten Tag auskosten. Und wer weiss, vielleicht kommt ja nochmal Powder? Wir werden auf jeden Fall fahren bis der letzte Zentimeter Schnee geschmolzen ist.

Fakten:

Zeitbedarf: 1-2 Stunden
Höhenunterschied: 200 m
Distanz: 0,8 km
Ausgangspunkt: Schlepplift Burg / Silvretta Montafon
Einkehrmöglichkeit: Im Skigebiet
Schwierigkeit: A/B

Karte und GPS-Track Klettersteig Burg


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