Die schönste Wanderung im Skaftafell – Entlang des Gletschers Vatnajökull

Von Martin Stiegler

Vatnajökull Gletscher Aussichtspunkt Sjónarnípa
Atemberaubende Tiefblicke auf den Gletscher Vatnajökull – den Weg dahin zeige ich dir in diesem Artikel 🙂

Die Wanderung am Rande des Gletschers Vatnajökull und auf die Kristínartindar (1126 m) ist eine der landschaftlich schönsten Wanderungen im Skaftafell-Nationalpark. Die Rundtour startet bei der Touristeninformation Skaftafell und führt durch eine abwechselungsreiche Landschaft mit spektakulären Aussichten. Vom Gipfel der Kristínartindar und vielen weiteren Aussichtspunkten auf dem Weg hat man einen schönen Panoramablick auf den größten Gletscher Europas, den Vatnajökull.

Die Rundwanderung ist aufgrund ihrer Länge von ca. 17 km auf 1100 Höhenmetern durchaus fordernd. Wind- und Wasserfeste Kleidung sowie gutes Schuhwerk ist hier – wie praktisch überall in Island – Pflicht.

Fakten:

Zeitbedarf: ca. 7 h
Aufstieg: 1100 Höhenmeter
Abstieg: 1100 Höhenmeter
Distanz: 17,5 km
Ausgangspunkt: Infocenter Skaftafell
Einkehrmöglichkeit: keine
Schwierigkeit: T1

Karte und Wegverlauf der Rundtour durch den Skaftafell Nationalpark

Download

 

Gerne kannst du den GPS-Track zur Rundtour Vatnajökull – Kristínartindar downloaden.

Start beim Campingplatz/Besucherinformation Skaftafell

Kristinartindar - Wanderwege S3 und S4 geschlossen
Wanderwege geschlossen? Nicht für uns 🙂

Gestartet wird diese Rundtour beim Campingplatz in Skaftafell. Hier findet sich auch ein Visitor-Center mit Informationen zum Gletscher Vatnajökull. Auch Wanderkarten für die Region sind hier erhältlich.

Da dieses Jahr der kälteste Winter seit 40 Jahren war liegt auch Ende Juli noch Schnee und der Weg ist offiziell gesperrt. Der kurze Schrecken, dass wir die lang herbeigesehnte Wanderung nicht machen können weicht nach einem Gespräch mit den Angestellten des Nationalparks der Erleichterung.

Nachdem ich erkläre das wir die Route bereits vorab geplant und im GPS eingespeichert haben und wir schon weitaus anspruchsvollere Winterbegehungen durchgeführt haben bekommen wir grünes Licht von offizieller Seite. Der Parkangestellte meint noch man müsse den Trail eher wegen Flipflop-Tragender Amerikaner sperren. Wir als bergaffine Wanderer hätten da sicher keine Probleme.

Und so starten wir los, dank der Sperre sind wir die einzigen die heute Richtung Kristinadar unterwegs sind. Genau nach unserem Geschmack!

Unser Island-Wanderführer schlägt vor die Rundtour gegen den Uhrzeigersinn zu machen und den Wasserfall Svartifoss am Ende anzusehen. Ich rate aber dazu den Wasserfall gleich in der Früh zu besuchen, da er nach Ankunft der Reisebusse komplett überlaufen ist.

Auf dem Weg zum Svartifoss

Somit geht es vom Campingplatz Richtung Besucherzentrum und von dort den Wanderweg hoch Richtung Wasserfall Hundafoss. Ab hier folgt man dem Wanderweg S2/S6 weiter Richtung Svartifoss.

Der Weg ist gut markiert und nach kurzer Zeit ist der spektuläre Wasserfall Svartifoss, einer der bekanntesten und schönsten Wasserfälle Islands, zu sehen.

Svartifoss bedeutet „Schwarzer Wasserfall“, der Name kommt vom dunklen Basaltgestein welches den Wasserfall umrahmt. Die hohen Basaltsäulen, von der Form her an Orgelpfeifen erinnernd, sind durch sehr schnelle Abkühlung des Lavastroms entstanden.

Svartifoss, der schwarze Wasserfall in Skaftafell, Island
Der Svartifoss ist einer der schönesten Wasserfälle Islands

Dem Architekten Guthjon Samuelsson dienten die markanten Basaltsäulen als Inspiration für die Hallgrimskirkja in Reykavík. Die Betonpfeiler der Kirche erinnern an die Basaltpfeiler die sich öfters in der isländischen Landschaft wiederfinden.

Dank dem frühen Aufbruch und der Wegsperre können wir den Wasserfall in aller Ruhe genießen und ein paar schöne Fotos schießen. Der Svartifoss ist ein wahres Postkartenmotiv.

Vom Wasserfall aus geht es weiter dem Weg „S2“ folgend weiter in Richtung Sjónarsker. Vor uns erhebt sich der markante Gipfel der Kristínartindar.

Im typischen Islandwetter mit niedrig hängenden Wolken und leichtem Nieselregel geht es nun durch eine karge Mondlandschaft.

skaftafell richtung sjonarsker
Durch die karge Landschaft geht es dem Wanderweg folgend in Richtung Sjonarsker

Über Holzbrücken wandern wir durch niedrig bewachsenes Sumpfgebiet. Die für Island typische Dauerbewölkung gibt der Tour einen eigenen Touch.

Von der Steinwüste aus erreichen wir eine moosbewachsene Hochebene.

Skaftafell Mooslandschaft Holzweg
Über einen hölzernen Weg, der an Skandinavien erinnert, geht es durch eine sumpfige Mooslandschaft

Nach kurzer Zeit ist von der Zivilisation nichts mehr zu sehen und wir sind allein auf weiter Ebene. Dies sind die magischen Momente die Island so besonders machen: man erlebt die Natur noch roh und unberührt.

Ausblick Landschaft Skaftafell zum Morsárjökull
Pure Wildniss bis zum Horizont.

Links des Weges bilden sich in den Wolkenlöchern immer wieder schöne Tiefblicke auf den Morsárjökull, einen der Ausläufer des Vatnajökull, den mit über 8000 km² größten Gletscher Islands.

Morsarjoekull fließt in weiter Ferne ins Gletschertal Morsardalur
Isländisches Moos, eine Kante hinter der es hunderte Meter senkrecht hinunter geht und am Horizont der Morsárjökull

Der Morsárjökull fließt ins Gletschertal Morsárdalur, wo er seinen Weg im Flussverlauf durch eine weite, sandige Ebene Richtung Meer sucht.

Morsarjoekull Morsardalur Vatnajökull
Morsardalur, ein Auslauftal des Vatnajökull

Das Tal geht in eine weite Ebene mit wilden Flussläufen, wie man sie in Mitteleuropa gar nicht mehr kennt, über und das Gletscherwasser fließt Richtung Horizont ins Meer.

morsarjoekull morsardalur
Blick von oben auf die Ausläufer des Gletschers

Weiter auf dem Weg Richtung Kristínartindar

Wir folgen dem Wanderweg „S3“ weiter, direkt an der Kante eines steil nach links abfallenden Felsplateaus.

skaftafell matsch und schnee auf dem wanderweg s3
Noch ist der Wanderweg S3 klar erkennbar

Im weiteren Aufstieg wird nach und nach der Schnee mehr. Wo vorher noch teilweise ein Trampelpfad sichtbar war orientieren wir uns nun grob mittels GPS.

Ausblick auf die Kristinartindar
Ausblick auf die Kristinartindar
Kristinartindar im Nebel
Der Gipfel liegt noch hinter dichten Wolken verborgen
Kristinartindar Skaftafell Weg im Schnee
Der Weg verschwindet langsam im Schnee…
skaftafell spass im schnee
…die Laune lassen wir uns dadurch aber nicht verderben

Immer wieder ziehen dichte Nebelschwaden durch die Landschaft, doch zwischendurch wird die Sicht auf den Gipfel frei: der Kristínartindar-Gipfel liegt immer noch unter einer dicken Schicht aus Eis und Schnee.

Als wir das dem Gipfel vorgelagerte Plateau erreichen wird uns klar das der Gipfel an diesem Tag ohne Steigeisen leider nicht machbar ist.

Kristinartindar unter Eis und Schnee
Kristinartindar unter Eis und Schnee
Kristinartindar - Blick auf das eisige Plateau
Blick auf eine unüberwindbare Eiswand. Hätten wir doch die Steigeisen eingepackt.

So folgen wir dem Pfad unseres GPS sowie den Holzpflöcken im Schnee, welche in der weiten Landschaft die einzige Orientierung bieten.

skaftafell nationalpark ausblick
Unglaubliche Weite im Skaftafell Nationalpark

Spektakuläre Aussicht auf den Gletscher Vatnajökull

Nachdem wir den Bergrücken umrundet haben kommen wir an eine steil abfallende Geländekante unter der sich ein gigantischer Gletscher auftut.

Hier beginnt nun der spektakulärste Teil des Wanderweges. An klaren Tagen sieht man weit auf den Gletscher Vatnajökull, aber auch im typischen Islandwetter bietet sich uns ein großartiges Panorama.

Aussichtspunkt Sjonarsker
Aussichtspunkt Sjónarsker

Im Tal unter uns mündet der Vatnajökull in die Gletscherzunge Skaftafellsjökull und zieht sich aus den Wolken heraus Richtung Meer, ein wahrhaftig beeindruckender Anblick.

Skaftafellsjoekull Gletscherzunge
Ausblick auf die gigantische Gletscherzunge des Skaftafellsjökulls

Die unglaubliche Weite der Landschaft ist kaum zu fassen.

Beim Aussichtspunkt Sjónarsker, einem markanten Felsen legen wir eine kurze Rast ein und genießen den Ausblick sowie die mitbrachte Jause. Da dieser Abschnitt ebenfalls noch offiziell gesperrt ist haben wir das Panorama für uns alleine was das ganze Erlebniss noch intensiver macht.

Blick vom Aussichtspunkt Sjonarsker
Ausblick vom Aussichtspunkt Sjónarsker

Auch in der Hochsaison dürfte sich hier der Andrang aufgrund des langen Zustiegs in Grenzen halten.

Wir setzen unseren Marsch entlang der Holzpflockmarkierung fort. Bei dichtem Nebel ist es auf jeden Fall ratsam sich nicht zu weit von der Markierung zu entfernen, da die Hochebene Richtung Gletscher abrupt und steil abfällt.

Skaftafellsjoekull Wanderweg Kante
Auf dem Wanderweg ist Vorsicht geboten um nicht als Ötzi im Skaftafellsjökull zu enden

Teils ist der Weg mit Holzpflöcken markiert, abschnittweise verliert er sich in Schotterhalden und Moosfelder. Durch den ständigen Wechsel der Landschaft gibt es immer wieder etwas Neues zu sehen.

Skaftafell Schotterweg
Schotterweg im Skaftafell Nationalpark
Moosfeld im Skaftafell
Wo ist hier der Weg? Im weichen Moos läuft es sich auf jeden Fall sehr gelenkschonend

Atemberaubendes Gletscherpanorama vom Aussichtspunkt Sjónarnípa

Langsam wird das Wetter besser und damit auch die Sicht auf die Gletscherzunge Skaftafellsjökull.

Aussichtspunkt Sjonarnipa
Blick vom Aussichtspunkt Sjónarnípa

Wir erreichen den Aussichtspunkt Sjónarnípa der vom Campingplatz innerhalb einer Stunde erreichbar ist. Auch hier findet sich dank der Wegsperre keine Menschenseele.

Aussichtspunkt Sjonarnipa mit Gletscher Vatnajoekull
Blick auf den Vatnajökull vom Aussichtspunkt Sjonarnipa
Viewpoint Sjónarnípa Gletschersee Skaftafellsjoekull
Hier endet der Skaftafellsjökull in einem Gletschersee
Vatnajoekull Panorama
Menschenleere Weite im Skaftafell Nationalpark

Wir genießen den atemberaubenden Ausblick und gehen dann weiter Richtung Campingplatz wo die Rundwanderung im Skaftafell-Nationalpark endet.

Bei Nebel ist von einer Begehung eher abzuraten, da man sich sowohl beim Aufstieg als auch beim Abstieg entlang einer steil abfallenden Geländekante bewegt. Teils ist der Weg zwar mit Holzpflöcken markiert, aber bei schlechter Sicht ist es sehr leicht vom Weg abzukommen, was fatal enden kann. Ein GPS-Gerät mit vorab gespeichertem Wegverlauf ist ratsam.

Mit 17,5 Kilometern und 1100 Höhenmeter eine konditionell durchaus fordernde Tour, die für den geübten Wanderer jedoch kein Problem darstellt. Für die Mühen wird man mit einer der schönsten Wanderungen Islands belohnt. Es lohnt sich!


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6 Kommentare:

  1. Hallo ihr Lieben, toller Bericht! Vielen Dank dafür.

    Auch ich bin bald in Island unterwegs, genauer gesagt Mitte November und würde gern ebenfalls genau den selben weg gehen wir ihr. Wandererfahren, naja, aber konditionell fit. Wie lange habt ihr denn insgesamt für den Auf und Abstieg inklusive Bilder gebraucht?

    Ich freue mich sehr über euer Feedback.

    Lieben Gruß aus Berlin, Nadine

    1. Hallo Nadine,

      sehr cool, da bin ich grad etwas Neidisch auf dich – wird sicher genial. Wenn du konditionell fit bist, ist die Wanderung sicher kein Problem. Wir haben ca. 6,5h gebraucht wenn ich mich recht erinnere, sind aber ganz gemütlich unterwegs gewesen.

      Viel Spaß und schöne Grüße,
      Martin

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