Marwees Überschreitung – Gratwanderung im Alpstein

Von Martin Stiegler

Die Überschreitung der Marwees ist eine spektakuläre Gratwanderung mit fantastischen Tiefblicken. Der teils ausgesetzte Weg verlangt Schwindelfreiheit, belohnt aber mit einer traumhaften Aussicht und zählt nicht ohne Grund zu den Klassikern im Alpstein.

Der Gipfel der Marwees ist einer der wenigen Alpstein-Berge die nicht mit einer Seilbahn erschlossen sind. Dies bedeutet zwar einen längeren Anstieg zu Fuß, dafür muss man den Gipfel dann nicht mit Massen an Seilbahntouristen teilen.

Von Wasserauen zur Bogartenlücke

Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Parkplatz in Wasserauen (868 m). Von hier aus folgt man dem gut ausgeschilderten Wanderweg Richtung Bogartenlücke. Zuerst geht es leicht und kurz durch ein Waldstück hoch. Nachdem man den Wald verlässt tut sich nach oben hin schon die markante Bogartenlücke auf, die nun kaum mehr zu verfehlen ist.

Bogartenlücke
Nicht zu verfehlen: die Bogartenlücke

In zahlreichen Serpentinen geht es nach oben wo ein markanter Felszapfen, das Bogartenmannli, steht. Die Frage des Tages ist natürlich: kann man diesen Felsen hochklettern?

Man kann! Es wurde sogar ein Sicherungsseil gelegt. Im Aufstieg trauen wir dem Seil noch nicht so ganz, aber oben stellt sich heraus, dass es sehr gut verankert ist.

Marwees Bogartenmannli Klettern
Kann man das Bogartenmannli bestiegen? Aber sicher!
Bogartenmannli mit Sicht zum Bodensee
Im Dunst am Horizont sieht man an klaren Tagen den Bodensee

Mit dem Sicherungsseil wird der Abstieg dann sehr leicht, im Dülfersitz geht es wieder nach unten.

Abseilen vom Bogartenmannli
Abseilen ist dann doch praktischer als runterklettern

Aufstieg von der Bogartenlücke zur Marwees

Nach einer kurzen Klettereinlage lassen wir die Bogartenlücke hinter uns. In einem idyllischen alpinen Blumenbeet wartet die Wanderwegbeschriftung.

Wegbeschreibung Marwees inmitten schöner Alpenblumen
Wegbeschriftung im Blumenbeet

An der folgenden Wegabzweigung wechselt die Markierung von rot-weiß auf blau-weiß. Der Weg wird also ausgesetzter und somit interessanter.
Mit ein paar Steilschwüngen geht es direkt nach oben, zur Schlüsselstelle der Tour. Nach ein paar Serpentinen quert man auf einem sehr exponierten Weg den steil abfallenden Hang. Hier ist vor allem bei Feuchtigkeit oder Schnee höchste Vorsicht geboten, ein Sturz wäre fatal! Gerade im Frühjahr oder im kalten Spätherbst findet sich hier ein Schneefeld, das mit großer Vorsicht gequert werden muss.

Schlüsselstelle Marwees Überschreitung mit Blick auf Bogartenlücke, Hoher Kasten und Sämtisersee
Die Schlüsselstelle der Marwees Überschreitung; hier sollte man lieber nicht ausrutschen

Nachdem die Querung überwunden ist, geht es in einem kurzen Umschwung links nach oben auf den eigentlichen Grat.
Hier erreicht man bald den Ostgipfel der Marwees.

Marwees Ostgipfel Richtung Säntis
Entlang des Gratverlaufs zum Ostgipfel der Marwees

Die Bank am Gipfelkreuz lädt zur kurzen Rast ein und man kann in Ruhe das atemberaubende Alpstein-Panorama genießen.

Schwindelerregende Marwees Überschreitung

Wir setzen die Gratüberschreitung über den Rücken der Marwees fort. Links und rechts des Weges fällt steiles Grasgelände ab, hier ist Schwindelfreiheit gefragt.

Marwees Überschreitung
Immer dem Grat entlang

Für den trittsicheren Wanderer ein Hochgenuss mit traumhaften Tiefblicken auf Seealpsee, zur Ebenalp und zum Gasthaus Äscher in Blickrichtung Norden. Im Süden sind der Fälensee und die Widderalp einige hundert Meter weiter unten im Talboden zu sehen.

Wir überschreiten den Marwees-Grat weiter Richtung Hauptgipfel. Hier auf 2056m liegt der höchste und aussichtsreichste Punkt dieser Wanderung, allerdings ohne Gipfelkreuz. Der Weg dorthin ist unmarkiert, aber relativ leicht zu finden: immer dem Gratverlauf folgen.

Ausgesetzter Grat Marwees im Alpstein
Nur für schwindelfreie Wanderer: der unmarkierte Weg zum Marwees-Hauptgipfel

Dunkle Fronten am Horizont

Nachdem das Wetter bis jetzt halbwegs gehalten hat taucht nun eine dunkle Wolkenfront am Horizont auf.

Gratverlauf Marwees Richtung Hauptgipfel; Im Hintergrund der Säntis
Gratverlauf Marwees Richtung Hauptgipfel; Im Hintergrund der Säntis

Jetzt heißt es Gas geben. Das eigentliche Ziel unserer heutigen Wanderung, den Hundstein, sparen wir uns für stabileres Wetter auf. Bei Regen und Nässe wäre der Kamin zum Gipfel sehr heikel und rutschgefährdet, weshalb wir den Berg heute den Steinböcken überlassen.

Hundstein Kamin
Ein Ziel für trockene Tage: der Hundstein

Steinböcke

Wir folgen dem Trampelpfad weiter, es geht langsam aber sicher wieder nach unten. Auf dem Weg treffen wir auf eine Steinbock-Kolonie die uns neugierig beobachtet. Es ist schon etwas besonderes diesen eleganten Tieren so nahe zu kommen. Faszinierend beobachten wir, wie die jungen Steinböcke spielerisch über die Felsen klettern. So mancher Bergsteiger wäre wohl froh er könnte so galant und sicher über schroffes Gelände marschieren.

Steinböcke im Alpstein
Steinböcke im Alpstein

Stundenlang könnte man hier zuschauen, aber aufziehende Nebelschwaden treiben uns weiter Richtung Tal.

Steinbock Marwees
Schön anzusehen, aber das Wetter treibt uns wieder ins Tal

Langsam beginnt Regen einzusetzen, deshalb müssen wir uns beeilen und machen keine weiteren Fotos mehr.
Wir folgen dem Weg Richtung Meglisalp, zweigen jedoch oberhalb der malerischen Alpsiedlung ab. Hier halten wir uns zuerst Richtung Kreuzböhl und gehen dann über Stockegg über den Schrennen weiter. Auf einem malerischen Höhenweg hat man erneut schöne Tiefblicke Richtung Seealpsee. Nach Gross- und Klein-Hütten schließt sich der Kreis unserer Rundwanderung und wir kommen wieder am Parkplatz in Wasserauen an.

Fakten:

Zeitbedarf: 5,5 Stunden
Höhenunterschied: 1240 m
Distanz: 12 km
Ausgangspunkt: Wasserauen
Einkehrmöglichkeit: Meglisalp
Schwierigkeit: T4

Karte Marwees Überschreitung


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5 Kommentare:

  1. Lässige Tour, ich glaub ich muss auch mal wieder einen Blick über die Grenze werfen… 🙂
    Kann man den Hundstein nicht auch noch irgendwie überschreiten? Ich glaub, ich hab da mal irgendwo was gelesen.

  2. Hi Martin,
    ich bin ehrlich – mir wäre die Überschreitung zu schwindelerregend, aber mein Männchen hätte bestimmt Spass dran. Der ist halt auch Steinbock… apropos Steinbock – die haben ja schon ein richtig flauschiges Winterfell auf euren Bildern.
    Viele Grüße
    Biene

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