Mein langer Weg zum ersten Hörgerät

Von Martin Stiegler

Schwerhörigkeit ist für Außenstehende schwer erkennbar, aber für Betroffene ein schweres Los. Sie sorgt dafür, dass sich Menschen oft mehr und mehr aus dem sozialen Umfeld zurückziehen. Ich bin selber von einem starken Hörverlust betroffen. Ich möchte dir hier gerne zeigen, dass du trotz Hörminderung ein aktives und erfülltes Leben führen kannst.

Außerdem gebe ich dir in diesem Beitrag wertvolle Tipps aus meiner Erfahrung mit Hörgeräten weiter, damit du von Anfang an optimal versorgt wirst. Du wirst sehen, dass du sozial nicht den Anschluß verlieren musst und auch mit Hörgeräten sportlich aktiv sein kannst.

Dieser Beitrag ist Teil 1 der Serie „Mein Leben mit Hörgeräten“. Teil 2 befasst sich mit dem Ablauf einer Hörgeräteversorung und Teil 3 zeigt moderne Hörgeräte als absolut geniale technische Gadgets. Offenlegung: Die Serie ist in Zusammenarbeit mit Neuroth entstanden. Ich gebe hier jedoch meine eigenen Erfahrungen wieder und habe keinerlei redaktionelle Vorgaben.

Inhalt:
1. Meine Erfahrung mit Hörgeräten
2. Was bedeutet Hörverlust für Betroffene?
3. Ablauf einer Hörgeräteversorgung
4. Wertvolle Tipps zum ersten Hörgerät
5. Fazit

Wie entstand mein Hörverlust?

Als kleines Kind bin ich an einer Mittelohrentzündung erkrankt, die lange unentdeckt blieb. Nachdem ich leider erst viel zu spät untersucht wurde, war das entzündete Ohr kaum mehr zu retten. Das traurige Ergebnis war ein starker Hörverlust auf dem linken Ohr. Auch das rechte Ohr wurde in Mitleidenschaft gezogen, zum Glück war die Hörminderung hier aber nur leicht.
Meine ganze Jugend über hatte ich wegen meinem Hörverlust oft das Gefühl, nicht dazuzugehören. In Gruppensituationen tat ich mir schwer, gerade in lauten Umgebungen. Das schlechte Hören war mein unsichtbares Stigmata und leider wurde ich deswegen auch oft gehänselt. Zu dieser Zeit waren Hörgeräte noch übergroße protesen-artige Hörapparate, welche nichts mit modernen Hightech-Hörgeräten (siehe auch Teil 3 der Serie) von heute zu tun hatten. Als Jugendlicher findet man dies natürlich doppelt uncool, darum kam es mir jahrelang eigentlich nie in den Sinn überhaupt über die Anschaffung nachzudenken. Leider, muss ich im Nachhinein sagen. Aber dazu gleich mehr.

Laufen mit Hörgeräten
Moderne Hörgeräte machen alles mit – auch schweisstreibende Trailruns

Kurzer Exkurs: Was bedeutet Hörverlust für einen Betroffenen?

„Nicht-Sehen trennt den Menschen von den Dingen. Nicht-Hören trennt den Menschen vom Menschen“ wusste schon der Philosoph Immanuel Kant. Und damit trifft er genau den Kern der Sache. Bei einer Hörminderung ist es nie so, dass die Betroffenen einfach nur leiser hören. Faktisch werden bestimmte Laute (bzw. Tonfrequenzen) besser gehört, andere Töne wiederum gar nicht. In der Wahrnehmung des Hörgeschädigten wird die Sprache „verschwommen“. So kann es zum Beispiel sein, dass ein hörbeinträchtigter Mensch nicht zwischen „Seil“ und „steil“ unterschieden kann.
Daher müssen sich Menschen mit Hörminderung in Gesprächen extrem stark konzentrieren und zwar nicht nur auf einzelne Wortsilben. Sie müssen Sätze und Zusammenhänge aus den Bruchstücken, die sie wahrnehmen „dazu erfinden“ und so den Inhalt des Geprächs „konstruieren“. Dies ist für Betroffene sehr anstrengend und sorgt dafür, dass soziale Interaktion schnell als große Belastung empfunden wird. Die Notwendigkeit, häufig beim Gesprächspartner nachzufragen, um dem Gesprächsverlauf folgen zu können, führt vielmals zu unfreiwillig komischen Situationen, wenn etwas komplett falsch verstanden wurde. Abhilfe schafft hier nur ein Hörgerät!

Die Eitelkeit siegt leider

Seit jeher bin ich meistens zu Sportarten tendiert, die man solo ausführen konnte. Im Team zu kommunizieren war immer schwer aufgrund meines Hörverlusts. Wenn mal eben etwas besprochen wurde, bekam ich meistens nur die Hälfte mit und war dann auch zu stolz um immer wieder nachzufragen.
Aber auch in Sportarten, die scheinbar Solo-Sportarten sind, wie Trailrunning, Bergsteigen und Freeriden, trifft man immer auf Gleichgesinnte. Und natürlich will man seine Freude kommunizieren. Kommunikation gehört einfach zum Lebensalltag des Menschen. Und gerade bei Risikosportarten wie Freeriden oder Klettern ist klare Kommunikation extrem wichtig und kann sogar überlebenswichtig sein. Beispiele sind die Besprechung der Abfahrtsroute im extremen Gelände oder Seilkommandos bei alpinen Kletterrouten. Hier muss eindeutig und klar kommuniziert werden, sonst kann es schnell lebensgefährlich werden.

Hörgerät beim Wandern und Klettern
Klare Kommunikation ist am Berg überlebenswichtig. Mein Hörgerät unterstützt mich auch in extremen Situationen.

Trotzdem hat bei mir jahrelang die Eitelkeit gesiegt. Leider. „Ein Hörgerät ist etwas für alte Leute, für Menschen mit Behinderung, so schlimm ist es eh nicht mit dem Schlecht-Hören“ – was ich mir nicht alles eingeredet hatte. Und so brachte ich auch mein Mediendesign-Studium rum und startete in die Arbeitswelt. Irgendwie schaffte ich es immer den Hörverlust zu überspielen und klein zu reden.

Das erste Hörgerät – ein holpriger Start

Erst eine gescheiterte Beziehung brachte mich wieder zum Nachdenken über meinen Hörverlust. Hauptauslöser für die Trennung war vor allem mein oftmaliges „Ausklinken“ aus Gesprächen, weil ich so schlecht folgen konnte. Dazu kam eine dauernde Gereiztheit weil ich sogar normalen Gesprächen so schlecht folgen konnte. All das hatte ich immer verdrängt.
Aber nun beschloss ich, einem Hörgerät einmal eine Chance zu geben. Schlechter konnte es ja nicht mehr werden. Außerdem übernimmt die österreichische Krankenkasse ja die kompletten Kosten für die Grundversorgung. Im schlimmsten Fall würde ich das Gerät halt einfach nicht verwenden.

Hörgerät am Berg mit Lagerfeuer
Gespräche am Lagerfeuer und das Knistern des Feuers. Mit Hörgerät ein Genuss. Ohne Hörhilfe für mich eher schwierig.

Wie ist der Ablauf zum Hörgerät?

Der Weg zum Hörgerät ist eigentlich relativ unkompliziert. Zuerst geht man zum HNO-Arzt, dieser macht einen Hörtest und stellt dann ein Attest des Hörverlusts aus. Damit werden dann die Kosten für ein Basismodell übernommen. Anschließend geht man zum Hörakustiker seiner Wahl und wählt ein passendes Gerät. Mehr dazu liest du im zweiten Teil der Serie (wird bald veröffentlicht).

Das Attest hatte innerhalb von zwei Tagen bei meinem Arzt organisiert. Nun brauchte ich nur noch einen Hörgeräte-Akustiker. Ab hier wurde es dann kompliziert. Ich bin damals, ohne mich groß zu informieren, zum erstbesten „Akustiker“ bei mir ums Eck gegangen, ein Fehler. Dieser war ein Optiker, welcher eine Zusatzausbildung zum Hörgeräte-Techniker gemacht hatte. Er war neu im Beruf und ihm fehlte die Erfahrung und das technische Verständnis, um mein Hörgerät korrekt anzupassen. Das Gerät funktionierte zwar allgemein ganz ok, aber in bestimmten Situationen überhaupt nicht. So hatte ich beispielsweise enorm viele Probleme mit Rückkoppelungen, die sich in lästigem lautem Piepsen bemerkbar machten.

Hörgerät am Klettersteig
Feierabendbier im Klettersteig. Macht mehr Spass wenn man auch die derben Witze der Freunde versteht.

Bei jedem Termin stellte der Akustiker dann wild in den Einstellungen herum, allerdings konnte er mir nie schlüssig erklären warum und wieso er das Hörgerät konkret so einstellt. Es folgte monatelanges „herumdoktorn“ des Hörgeräts, wobei es nie wirklich optimal war. Einmal wurden sogar bei den Geräten die Einstellung der linken und rechten Seite vertauscht.
Erst nach dem Wechsel zu Neuroth wurde es dann schlagartig besser. Ich sah mir mehrere Hörgeräte-Anbieter an und kam dann zu Michael Hustedt bei Neuroth Dornbirn. Bei ihm merkte ich das erste Mal, was für einen Unterschied ein guter Akustiker macht. Es kam heraus, dass mir das falsche Hörgerät empfohlen worden war. Ich hatte damals – aus Eitelkeitsgründen – ein Innenohr-Hörgerät, welches für meinen Hörverlust nicht geeignet war. Michael legte mir zahlreiche überzeugende Argumente vor, warum ein Hinter-dem-Ohr-Gerät für mich deutlich besser wäre. Anfangs war ich natürlich etwas vor den Kopf gestoßen, ich wollte ja das kleinst möglichste Gerät. Aber zu einer guten Beratung gehört auch eine ehrliche Einschätzung der Situation.

Alpina Snow Tour am Gletscher
Ein gut eingestelltes Hörgerät funktioniert auch mit Stirnband und Helm darüber.

Damit dir eine solche Geschichte erspart bleibt und du von Anfang an perfekt versorgt wirst, hier meine Tipps für das erste Hörgerät.

Meine Tipps für das erste Hörgerät

1. Lass dir nicht zu lange Zeit mit dem Hörgerät

Je länger du mit der Hörgeräte-Versorgung wartest, desto schwerer wird es. Unbemerkt „verlernst“ du mit der Zeit langsam das richtige Hören und musst es dir dann wieder mühsam erlernen. Je früher eine Hörminderung mit einem Hörgerät versorgt wird, desto leichter tut man sich mit dem Hören. Also warte nicht zu lange, wenn du merkst, dass du schlecht hörst!

2. Sieh dir mehrere Akustiker an

Du wirst gerade am Anfang viel Zeit mit dieser Person verbringen, da das Einstellen eines Hörgerätes ein zeitaufwändiger Prozess ist. Grundsätzlich sollte dir dein Akustiker also auf jeden Fall einmal sympatisch sein. Fragt dein Akustiker nach deinem Alltag, deinem Lebensablauf? Das ist schonmal ein gutes Zeichen. Ich persönlich kann dir Neuroth empfehlen. Die Akustiker dort werden regelmässig geschult und sind immer auf dem neuesten Stand der Technik.

3. Probiere mehrere Hörgeräte aus

Jeder Hörgeräte-Hersteller setzt bei seinen Geräten unterschiedliche Akzente. Während bei dem einen Hörgerät das Sprachverständnis in ruhigen Situationen perfekt ist, ist die Sprachaufbereitung im Störlärm dann bestenfalls durchschnittlich. Auch wie der Klang in unterschiedlichen Situationen wiedergegeben wird, ist von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich. Durch das Ausprobieren verschiedener Marken erkennst du diese Nuancen und wirst eher das richtige Gerät finden.

Vorstiegklettern mit Hörgerät
Kommunikation ist bei Risikosportarten das A und O. Mein Hörgerät lässt mich auch mit Windgeräuschen alles eindeutig verstehen.

4. Teste verschiedene Klassen von Hörgeräten

Es gibt verschiedene Klassen von Hörgeräten. Das Basismodell wird in Österreich komplett von der Krankenkasse übernommen. Diese Grundmodelle sind meines Erachtens aber eher auf weniger aktive Menschen ausgelegt und funktionieren am besten in ruhiger Umgebung. Sobald Störlärm und mehrere Gesprächspartner im Spiel sind, kommt die Technik der Basisgeräte schnell ans Limit. Hörgeräte höherer Technikstufen filtern Sprache im Störlärm deutlich besser heraus. Natürlich schlägt sich die bessere Technik auch im Preis nieder, darum hilft es sehr, verschiedene Technikklassen zu testen. Damit findest du heraus, welche Stufe du wirklich brauchst.

5. Begebe dich zum Testen in verschiedenste Alltagssituationen

Ruhige Raumsituationen mit nur einem Gesprächspartner kann sogar das günstigste Hörgerät optimal verstärken. Fordernd wird es in Gruppensituationen und bei zusätzlichem Umgebungslärm wie z.B. in einem Kaffeehaus oder am Berg mit Windgeräuschen. Ein guter Akustiker passt dir dein Gerät dann mit verschiedenen Programmen genau an deine Anforderungen an. Mehr zu den verschiedenen Einstellmöglichkeiten erkläre ich dir in Teil 3 der Serie (LINK)

6. Gib dich nie nur mit der Grundeinstellung zufrieden

Ein guter Akustiker macht dir mehrere Programme, die genau auf deinen Lebensalltag angepasst sind. Bei mir ist das z.B. ein 360°-Programm mit starker Windgeräusch-Unterdrückung zum Wandern und Bergsteigen. Damit höre ich dann Sprache aus allen Richtungen, auch von hinten (normalerweise werden Geräusche von hinten extrem stark unterdrückt).
Fürs Trailrunning und Laufen habe ich eine Einstellung die Sprache seitlich mehr verstärkt. Dadurch fällt es mir leichter mich mit meinem Laufpartner zu unterhalten. Zumindest so lange die Kondition stimmt 😉
Mit Spezialprogrammen hört man in bestimmten Situationen sogar besser als jemand ohne Hörgerät.

Hörgerät Kind tragen
Geräusche von hinten werden bei Hörgeräten normalerweise unterdrückt. Um Wanderpartner sowie meine Tochter beim Huckpack besser zu hören, verwende ich ein speziell angepasstes Programm.

Unentbehrliche Unterstützung im Alltag

Mittlerweile trage ich mein Hörgerät ohne falsche Scham, da es mir in meinem Alltag wirklich weiterhilft und mir ein kommunikativeres Leben ermöglicht. Ich bin nicht länger außen vor in Gruppengesprächen und tue mir leichter, auf Menschen zuzugehen.
Es ist sogar so, dass ich oft auf mein Hörgerät angesprochen werde. Die Leute sind neugierig, warum ich als junger Mann denn überhaupt eines brauche. Und wenn ich dann erzähle, was ein modernes Hörgerät alles kann (siehe auch Teil 3 der Serie), überlegt so mancher, ob er nicht doch mal eines ausprobieren will.

Erst wenn ich das Hörgerät einmal nicht trage, merke ich wie stark mein Hörverlust wirklich ist und wie sehr mich die Technik im Ohr im Alltag unterstützt. Durch die Hörversorgung hat sich für mich eine neue Welt aufgetan! Also wenn du eine Hörminderung bemerkst und darüber nachdenkst, ob du ein Hörgerät brauchst, probiere es aus. Bei Neuroth kannst du jedes Hörgerät 14 Tage lang kostenlos testen. Du wirst es nicht mehr hergeben wollen 😉

Weiter geht es demnächst dann mit Teil 2 Ablauf einer Hörgeräteversorung.

Hast du Fragen zu Hörgeräten? Gerne her damit, ich freue mich auf einen Austausch.

15 Kommentare:

  1. Danke für den informativen Artikel. Ich habe ebenfalls Operationsbedingt eine deutliche Hörminderung und bin auf einer Seite taub. Technisch bedingte war das Hörgerät (auch bei neuroth eingestellt; Beratung top!) bei mir leider nicht hilfreich. Es freut mich, dass es bei dir geklappt hat.

    Übrigens ist es spannend, wie viele Menschen Probleme mit dem Hören haben! Unwissenheit und Eitelkeit sind echt ein Hund!

    Liebe Grüsse

    1. Hi Mario, danke für den Kommentar. Hast du verschiedene Geräte getestet? Das hat bei mir einen deutlichen Unterschied gemacht. Je nach Hersteller wird sehr unterschiedlich gewichtet, wie Töne wiedergegeben werden. Und die Technik wird auch jedes Jahr besser. Vom ersten, wenig hilfreichen, Hörgerät bis zu dem, das ich heute trage liegen WELTEN! Wenn deine Versorgung also auch ein paar Jahre zurückliegt kann es sich mitunter lohnen da nochmal zu probieren.

      Liebe Grüsse, Martin

      1. Hallo Martin,
        ich habe unterschiedliche Geräte vor ca. 8 Jahren getestet. Bei mir ist der medizinische Hintergrund allerdings etwas komplex. Mittlerweile hab ich mich halt auch schon total daran gewöhnt…

        Aber vielleicht gehe ich mal wieder testen, denn du hast natürlich absolut recht – die Technik entwickelt sich auch in diesem Bereich ständig weiter.

        Trägst du dein Gerät jetzt eigentlich permanent oder situativ?

        LG Mario

        1. Hi Mario,
          ich trage meine Hörgeräte eigentlich immer (außer beim Schlafen), denn ohne tu ich mir echt schwer im Alltag. Dazu ist mein Hörverlust leider zu hoch. Wenn ich alleine eine Bergtour mache, lasse ich sie in der Regel daheim.

          Ich habe aktuell gerade neue Hörgeräte und habe dieses Mal echt mehrere Monate lang viele unterschiedliche Geräte getestet. Die Bandbreite war echt enorm, von super genial bis grottenschlecht. Manche Geräte werden zwar bestens vermarktet, scheitern in der Realität aber kläglich. In 12 Jahren, in denen ich jetzt Hörgeräte trage hat sich enorm viel getan bei der Techik, es lohnt sich sicher dem ganzen nochmal ne Chance zu geben. Außerdem kommt es auch sehr stark drauf an, wie gut der Akustiker dir das einstellt.

          Wir können uns auch gern mal zusammensetzen wenn du magst, dann kann ich dir Details zu den einzelnen Geräten erzählen falls dich das interessiert.

          lg Martin

  2. Hallo Martin,

    ich freue mich, dass ich auf einen Gleichgesinnten mit Hörgeräteerfahrung im Netz getroffen bin! Deine Erfahrungen mit den Schnittstellen zur Welt der Normalhörenden decken sich mit meinen Erfahrungen.

    Ich bin 35 Jahre alt und von Geburt an schwerhörig. Seit meinem 5 Lebensjahr trage ich Hörgeräte und bin mittlerweile nach Abitur an einer Regelschule, Bachelor-Abschluss voll im Berufsleben angekommen. Seit mehr als 10 Jahren bin ich ehrenamtliche Helferin beim Technischen Hilfswerk (THW) und seit 2 Jahren in der Auslandseinheit als Hundeführerin. Die Anforderungen an meine Hörgeräte steigen, aktuell nutze ich Sivantos mit mehreren Programmen für Richtungshören 360 Grad sowie individuell einstellbaren Winkel, Bluetooth-Schnittstelle für Telefon, Mobilfunk und Funk, IP67-Schutzklasse. Abgesehen von den immerwährenden Problemen in Gruppensituationen mit vielen Umgeräuschen (z. B. im Restaurant) bin ich mehr als zufrieden mit der Entwicklung der Technik. Ich bin sehr gespannt auf die nächste Generation Hörgeräte und auf weitere Berichte von Dir.

    1. Hallo Christine,

      danke, das freut mich sehr wenn du dich mit deinen Erfahrungen im Artikel wiedergefunden hast. In meinem Umfeld gibt es eigentlich nur ältere Leute mit Hörgeräten, da freut es mich natürlich besonders wenn ich mal von Gleichaltrigen höre 🙂

      Mit Sivantos meinst du die Marke Signia? Lustig, ich bin aktuell auch bei denen gelandet, nachdem ich Anfang Jahres sehr viele verschiedene Marken und Geräte durchgetestet habe. Meiner Meinung nach hat Signia im Moment die am besten ausgereifte Technik, gerade in Gruppensituationen mit Störlärm. Der einstellbare Winkel mittels iPhone-App (bzw. Spezialprogramm) ist dann absolut genial, so kann man gezielt fokussieren wo man hinhören möchte. Ich bin beruhigt, dass ich nicht der einzig Technikfreak bin unter den Hörgeräte-Trägern. Gerade die Bluetooth-Connectivität ist ein Feature das ich nicht mehr missen möchte. Und dank IP67 muss man nicht mehr Angst vor jedem Wassertropfen haben wie bei Geräten früherer Generationen.

  3. Wie lange halten eigentlich die Batterien bei euch?
    Und was müsstet ihr für eure Geräte aus der eigenen Tasche aufzahlen?

    Liebe Grüsse Mario

    1. Also bei mir halten Batterien ca. 7-10 Tage.

      Meine Geräte (Signia Motion 13P Nx 7) sind bei ca. 2700€ Aufzahlung für beidseitige Versorgung. Ich habe allerdings auch die höchste Technikstufe. In der höchsten Stufe ist die Sprachortung meines Erachtens deutlich besser und man kann die Richtung auch frei wählen. Je nach Hörverlust und persönlichem Empfinden reicht natürlich auch eine Stufe (Nx 3 oder Nx 5) darunter. Die Nx 3 gibt es glaube ich sogar ohne Aufzahlung.

      In Österreich ist es ja auch so, dass die Pensionskasse zusätzlich zur Krankenkasse noch einen Teil der Kosten der Hörgeräte übernimmt wenn man berufstätig ist. Klingt erstmal komisch, aber natürlich wollen die die Leute möglichst lange im Berufsleben halten, haha. Dafür brauchst du nur eine Arbeitsplatzbeschreibung von deinem Arbeitgeber.

  4. Mein Bruder leidet seit Jahren an Hörverlust. Ich konnte ihn nun überreden, sich doch endlich ein Hörgerät zu kaufen. Danke für den Tipp, mehrere Akustiker aufzusuchen und mit ihm denn Alltag und Lebensablauf zu besprechen.

  5. Hallo Martin!
    Erfreulich deine Erfahrungen zu lesen. Ich habe nach zahlreichen Hörstürze Gott sei Dank nur einseitigen Hörverlust. Seit 2 Wochen probiere ich mein erstes Phonak Gerät auch bei Neuroth aus. Erstmals bin ich enttäuscht da ich überhaupt nicht besser höre. Wenn ich das gute Ohr zuhalte verstehe ich weiterhin nicht ein einzelnes Wort. Nur wenn ich voll aufdrehe verstehe ich Wörter, aber nur unter großer Anstrengung. Mal schauen wie das weitergeht.
    lg aus Wien
    Barbara

    1. Hallo Barbara,

      ich verstehe, gerade am Anfang kann es mitunter etwas frustrierend sein, bis die richtige Einstellung gefunden ist. Du musst es ein bisschen als Prozess sehen bei dem du bei jeder Sitzung ein bisschen was optimierst. Wenn es wirklich nicht besser wird mit dem Hören, würde ich dir raten eventuell ein Gerät einer anderen Marke zu testen. Kann vom Klang auch einen Unterschied machen.
      lg Martin

  6. Ich finde deine Tipps sehr hilfreich! Ich finde es wichtig, dass man mehrere Hörgeräte probieren soll. Nicht alle Geräte sind gleich. Man kann auf diese Weise verschiedene Hersteller und verschiedene Nuancen probieren, um eine richtige Wahl zu treffen. Mein Mann hat Schwerhörigkeitsprobleme und ich werde ihm auf jedem Fall deinen Beitrag weiterleiten. Danke!

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