Klettersteig-Tour rund um die Drei Zinnen

Von Martin Stiegler

Die Sextner Dolomiten zählen für mich zu den schönsten Gebirgsketten der Alpen. Atemberaubende Dolomitstein-Formationen rund um die Drei Zinnen lassen das Herz jedes Bergfreundes höher schlagen. Grund genug den Bergen einen Besuch abzustatten.

Malerische dolomiten
Malerisch: Berge wie aus einem Gemälde

Mit dem Auto fahren wir via Innsbruck über den Brenner direkt zum Parkplatz unterhalb der Drei Zinnen. Die sieben Kilometer lange Zufahrt zum Parkplatz an der Auronzo Hütte ist kostenpflichtig. Die Maut kostet einmalig 25€ pro Auto für einen Tag. Für jeden weiteren Tag sind dann zusätzlich 7 € zu entrichten. Als Alternative erreicht man die Drei Zinnen auch in acht Stunden zu Fuß vom Fischleintal in Sexten.

dolomiten wanderweg 101
Vom Parkplatz geht es auf dem Wanderweg 101 Richtung Lavaredohütte

Am öffentlichen Parkplatz beim Rifugio Auronzo parken wir unseren fahrbaren Untersatz und marschieren über den flachen Schotterweg (Nr. 101) in ca. 15 Minuten zur Lavaredo Hütte. Während die Dreizinnenhütte komplett ausgebucht war, steht die Lavaredohütte unserer Truppe quasi privat zur Verfügung. Wir sind an diesem Tag die einzigen Gäste und dürfen gleich bei der Ankunft zwischen drei Menüvorschlägen wählen.

Lavaredohütte mit Drei Zinnen
Die Lavaredohütte direkt unter den Drei Zinnen

Während der Hüttenwirt das Abendessen zubereitet, erkunden wir schon mal die Gegend. Wir bestaunen das Spiel der Wolken zwischen den Felsen und bouldern auf alten Festungsresten.

Bouldern im Dolomitgestein
Das Dolomitgestein ist supergriffig und ideal zum Bouldern

Hier oben, im Bereich um die Drei Zinnen und den Paternkofel, verlief im 1. Weltkrieg die Front zwischen Italien und Österreich. Während des zwei Jahre dauernden, grausamen Stellungskrieges wurden zahlreiche Schützengräben und Tunnel in das Dolomitgestein gegraben. Die Versorgungswege von damals bilden heute die Basis für die Klettersteige.

Das Wetter war recht wechselhaft angesagt und wie so oft sind wir auf gut Glück kurzfristig losgefahren. Das Wetter-Poker geht gut auf, Berge und Wolken sind ja immer spannender als strahlend blauer Himmel.

Während sich die letzten Wolken verziehen werden die Dolomiten in warmes Abendrot getaucht. Zeit für unser Abendessen.

sonnenuntergang in den dolomiten
Traumhafte Sonnenuntergangsstimmung

Die Drei Zinnen – die schönsten Berge der Welt

Am nächsten Tag lacht uns die Sonne entgegen. Der neue Tag bringt traumhaftes Wanderwetter.

Lavaredohütte Dolomiten
Traumhaftes Wetter in einer traumhaften Landschaft

Nach einem Frühstück mit italienischem Kaffee marschieren wir Richtung Dreizinnenhütte weiter. Kurz davor zweigt der Weg zum Einstieg des De Luca-Innerkofler-Klettersteig ab. Doch zuvor blicken wir ehrfürchtig auf das Wahrzeichen der Dolomiten, die berühmten Drei Zinnen. Ohne Zweifel die schönsten Berge der Welt.

Drei Zinnen Dolomiten
Die berühmten Drei Zinnen

Auch die Drei Zinnen-Hütte macht ihrem Namen alle Ehre: von hier aus hat man die spektakulärste Aussicht auf die berühmten Drei Zinnen. Spektakulär erheben sich deren Gipfel in den Himmel, Natur-Kathedralen für Bergsteiger und Kletterer. Markant erheben sich die drei Hauptgipfel in den Himmel: den höchste Gipfel bildet die Große Zinne (Cima Grande) mit 2999 m. Sie steht zwischen den beiden anderen Hauptgipfeln, der Westlichen Zinne (Cima Ovest, 2973 m) und der Kleinen Zinne (Cima Piccola, 2857 m). Für Kletterer zählen die markanten Dolomitenfelsen zu den begehrtesten Gipfelzielen der Alpen. Wer sie einmal live gesehen hat, weiß sofort warum.

drei-zinnen-hütte Dolomiten
Eingebettet im Dolomitgestein: die Drei-Zinnen-Hütte

Traumhafte Tiefblicke am De-Luca-Innerkofler-Klettersteig

Der Weg zum Klettersteig führt durch einen Stollen, dessen Eingang bei einem kleinen Felsturm liegt, der als „Frankfurter Würstel“ bezeichnet wird. Von dort weg geht es ab ins dunkle Loch.

Einstieg De-Luca-Innerkofler-Klettersteig
Der Einstieg De-Luca-Innerkofler-Klettersteig

Wenn ein Stollenfenster im dunklen Gang auftaucht wird es spektakulär: eingerahmt wie in einem Gemälde präsentieren sich die Nordwände der Drei Zinnen. Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus.

dolomiten drei zinnen aus dem tunnelfenster
Die Drei Zinnen vom Tunnelfenster aus gesehen

In den Tunnelpassagen kann man nur über die Leistung staunen, welche die Menschen vor über 100 Jahren vollbracht haben. Ohne Presslufthammer und Tunnelbohrer wurden wahrlich beeindruckende Felsdurchbrüche geschaffen, die die ganze Tour über beeindrucken. Nach dem ersten Tunnel mit längerem Aufstieg folgt eine kurze Schotterpassage und dann der letzte Tunnel vor der Gamsscharte. Spätestens hier heißt es nun Stirnlampen einschalten, um im stockdunklen Stollen nicht gegen die Wand zu rennen.

Tunnel Gamsscharte
Vor der Gamsscharte geht es nochmals durch einen Tunnel

Nachdem die Stollen überwunden wurden beginnt der gesicherte Steig an der Ostwand der Gamsscharte. Das Panorama und die Tiefblicke sind einfach nur atemberaubend. Der Steig an sich ist zwar nicht so schwer (A/B), dennoch sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Voraussetzung.

Gamsscharte Tiefblick auf Drei Zinnen Hütte
Tiefblicke auf die Drei-Zinnen-Hütte

Gipfelsturm auf den Paternkofel

An der Gamsscharte zweigt man ab um den Paternkofel (2744 m) über einen kurzen Klettersteig zu erklimmen. Am Einstieg kommt es öfter zu Staus, da doch etwas gekraxelt werden muss, dafür können langsame Kletterer im oberen Bereich gut überholt werden.

Einstieg Paternkofel Klettersteig
Kraxeln am Einstieg zum Paternkofel-Klettersteig
Paternkofel Klettersteig
Unterwegs am griffigem Fels geht es Richtung Gipfel

Allerdings ist die Wegfindung im oberen, schuttigen Gipfelbereich teils nicht ganz einfach. Schnell wird aus einem gutgemeintem Überholmanöver eine Kletterpartie. Ich spreche aus Erfahrung. 😉

Paternkofel Panorama
Im oberen Bereich geht es ohne Sicherung zum Gipfel

Der Gipfel bietet ein traumhaftes Panorama und schönen Blick auf die Drei Zinnen sowie die umliegenden Dolomitengipfel.

Paternkofel Gipfelkreuz Panorama
Traumhaftes Panorama am Gipfel

Über den Schartenweg zur Büllelejochhütte

Weiter geht es über den Schartenweg, auch Sentiero delle Forcelle genannt. Der Schartenweg ist ein interessanter, aussichtsreicher Steig. Wenn man vom Paternkofel hinüberschaut könnte man fast meinen, eine Durchschreitung sei nur frei kletternd möglich, so zerklüfft und wild wirkt das Gelände. Doch was aus der Ferne extrem aussieht, geht schlußendlich schlußendlich relativ leicht. Der Weg ist sehr angenehm angelegt und bietet gleichzeitig schöne Tiefblicke.

Schartenweg
Der Weg schlängelt sich steil am Fels nach oben

Nur einige wenige Stellen fordern etwas Mut, sind aber immer gut mittels Stahlseil abgesichert.

Schartenweg Klettersteig
Schwindelfrei sollte man schon sein. Aber immerhin muss man nicht über die alte Brücke rechts!

Nach einigem Auf und Ab erreichen wir den gut sichtbaren Wanderweg und marschieren weiter zur Büllelejochhütte.

Wanderweg Büllelejochhütte
Ja, es gibt auch normale Wanderwege hier

Die Büllejochhütte ist die höchstgelegene Hütte in den Sextner Dolomiten. Bei der malerisch gelegenen Berghütte beschließen wir Pause zu machen und den herrlichen Tag zu genießen. Die frischen Espressos machen auch den müdesten Wanderer wieder munter. Perfekter Espesso statt Instantplörre auf einer Berghütte, dafür liebe ich Italien!

Büllelejochhütte Espresso und Wein
Perfekter Espresso auf der Büllelejochhütte

Abstieg Richtung Zsigmondyhütte

Der vollmundige Rotwein sorgt für einen lustigen Abstieg zur Zsigmondyhütte, dort sind wir für die nächste Nacht einquartiert. Auch wenn ich mich wiederholen sollte, die Berge hier gehören zu den Schönsten der Welt.

Dolomiten Schattenspiel
Immer Sonnenschein wäre langweilig

Manchmal gleitet es fast schon etwas ins Kitschige ab, so unvergleichlich traumhaft ist hier die Natur.

dolomiten kitsch
Saftige Wiesen und wunderschöne Berge
Zsigmondyhütte Dolomiten
Die heutige Nacht verbringen wir in der Zsigmondyhütte

Wolkenspiele und Regen

Für den nächsten Tag hätten wir eigentlich noch den Klettersteig am Toblinger Knoten auf den Programm gehabt. Leider spielt das Wetter heute nicht mit: bei Regen und feuchtem Nebel machen Klettersteige eher weniger Spaß.

Gorillas...äh...Berggipfel im Nebel
Gorillas…äh…Berggipfel im Nebel

So kehren wir auf der Drei Zinnen-Hütte ein und warten ab, ob die Sonne vielleicht noch durchkommt.

Da sich das Wetter leider nicht wirklich bessert machen wir uns auf den Rückweg zum Parkplatz um den Heimweg anzutreten. Während wir unterhalb der Drei Zinnen den Wanderweg entlang marschieren, lässt der Regen langsam wieder nach.
Die Sonne zeigt sich zwar nicht mehr, aber Nebel und Wolken umspielen die Dolomitengipfel und bieten ein traumhaftes Schauspiel.

dolomiten nebelschwaden
Nebelschwaden ziehen über die Landschaft

Die Dolomiten haben uns alle nachhaltig beeindruckt und wir kommen sicher wieder!


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