Tschaggunser Mittagspitze – Bergtour mit winterlicher Klettereinlage

Von Martin Stiegler

Die Tschaggunser Mittagspitze (2168 m) ist ein Aussichtsberg im Montafon mit traumhaftem Panoramablick. Doch die schöne Aussicht will verdient sein: der Schlußanstieg zum Gipfel muss ohne Wegmarkierung und Sicherung erklettert werden. Gerade im Winter eine Herausforderung.

Nachdem der Dezember dieses Jahr wieder mal zu wenig Neuschnee zum Freeriden gebracht hat, habe ich spontan beschlossen eine Bergtour zu machen anstatt über eisige Kunstschneepisten zu schlittern.

Der heutige Beitrag ist übrigens Teil des Outdoor-Advents. 24 Outdoor-Blogger öffnen jeden Tag ein neues Türchen mit einem Beitrag zur Weihnachtszeit. Gestern berichtete Tessa von Wanderweib.de über Japanischen Whiskey, Affen und einem Wasserfall , heute öffne ich das das letzte Türchen und wünsche allen frohe Weihnachten. outdooradvent-logoEine Übersicht mit allen Beiträgen des Outdoor-Advents gibt es bei Sven unter aufundab.eu.

Im Licht der Stirnlampe ins Gauertal

Los geht es frühmorgens in Latschau, bei der Mittelstation der Golmerbahn. Direkt am Stausee findet sich ein großer Parkplatz, auf dem das Auto kostenlos abgestellt werden kann. Ich starte im Dunkeln und wandere im Schein meiner Stirnlampe Richtung Tilisunahütte/Tobelsee/Alpilaalpe ins Gauertal.

Im Licht der Stirnlampe ins Gauertal
Im Licht der Stirnlampe ins Gauertal, Schnee gibt es nur auf den Bergspitzen

Vom Winter ist noch nicht viel zu sehen, die Wiesen sind alle noch schneefrei. Im Licht meiner Stirnlampe marschiere ich den Zufahrtsweg entlang ins Gauertal. Nur die Bergspitzen sind schneebedeckt und leuchten im Mondschein, ansonsten erinnert hier nichts daran das es eigentlich schon Ende Dezember ist.

Bei Volspora geht es dann links hoch und vorbei an diversen Ferienhäusern in Richtung Alpilaalpe. Nachdem man anfangs über sanfte Almwiesen marschiert, zieht der Weg später im Wald merklich an. Steil und knackig geht es über Wurzeln und Steine einen steilen Pfad durch den Wald nach oben.

Zwischenstop Alpila Alpe mit traumhaftem Sonnenaufgang

Der Tag bricht langsam an und die Sonne taucht die Landschaft in ein magisches Licht. Die sogenannte „rosarote Stunde“ ist heute Morgen sehr intensiv. Durch eine Schneise im Wald habe ich freien Blick auf die Zimba. Der majestätische Gipfel (nicht umsonst Vorarlberger Matternhorn genannt) zeigt sich unbeeindruckt von den Schneekanonen, die am Skigebiet Golm auf Hochtouren laufen.

Zimba bei Sonnenaufgang, Schneekanonen am Golm
Die Zimba im ersten Licht der Sonne

Sobald die Baumgrenze erreicht ist und man den Wald verlässt, taucht auch schon die Alpila Alpe auf. Mit Genugtuung blicke ich ins schlafene Tal und genieße den Ausblick. Das Aufstehen hat sich gelohnt.

Alpila Alpe Gauertal bei Sonnenaufgang
Die Alpila Alpe bei Sonnenaufgang

Von der Alpe Alpila aus kann man direkt weiter Richtung Tschaggunser Mittagspitze aufsteigen. Der Gipfel ist von hier aus bereits sichtbar, dennoch wähle ich nicht den direkten Weg. Stattdessen entscheide mich für einen Abstecher zum malerischen Tobelsee, um die Mittagsspitze dann über das Walser Alpjoch zu erreichen.
In dieser Höhe ist bereits der Winter angebrochen, die Wege (und Wegmarkierungen) sind schneebedeckt und so stapfe ich querfeldein Richtung Montabella hoch. Langsam steigt die Sonne höher und das Alpenglühen setzt ein.

Sonnenaufgang von Montabella aus
Das Licht der Sonne kommt näher

Die Rote Wand wird heute ihrem Namen gerecht: im ersten Licht der Morgensonne erstrahlt sie in leuchtenden Rot-Tönen. Ein wunderschöner Anblick.

Rote Wand Vorarlberg Sonnenaufgang
Die Rote Wand strahlt im Morgenlicht

Drei Türme im Morgenlicht

Mittlerweile hat das Sonnenlicht auch die Drei Türme erreicht und taucht sie in sanftes Orange.

Die Drei Türme bei Sonnenaufgang
Die Drei Türme im Morgenlicht

Mein Plan, das Morgenleuchten der Drei Türme als Spiegelung im See zu fotografieren ist nicht ganz aufgegangen. In der Senke, in der der Tobelsee liegt, ist es klirrend kalt und der See ist bereits zugefroren. Ein schöner Anblick, doch die Kälte geht durch Mark und Bein. Ich will mich nicht länger als nötig in der eisigen Kälte aufhalten, doch ein Selfie ist drin.

Tobelsee mit Drei Türmen im Winter
Eiskaltes Selfie beim Tobelsee

Ich mache noch ein paar Fotos und gehe dann der Wärme entgegen. Mittlerweile steht die Sonne schon höher. Mein Blick schweift kurz über das Tal hinter mir, bevor es weiter Richtung Schwarzhornsattel geht wo die Sonne schon auf mich wartet.

Blick auf Latschau und Montafon
Blick ins Montafon, mehr Herbst als Winter

Wärmende Sonne am Schwarzhornsattel

Vor dem Sattel ist noch ein kurzer, mit Seil abgesicherter, Abschnitt zu überschreiten. Dieser ist aber nicht der Rede wert und bald genieße ich die ersten Sonnenstrahlen des Tages.

Schwarzhornsattel
Am Schwarzhornsattel wartet die Sonne

Über den Mittagspitzsteig direkt zur Mittagspitze

Von hier aus geht es über Mittagspitzsteig weiter. Dieser ist zwar blau-weiß markiert, aber dennoch leicht zu bewältigen. Der Steig führt über das Walser Alpjoch direkt auf die Tschaggunser Mittagspitze zu.

Über den Mittagspitzsteig geht es Richtung Mittagspitze
Über den Mittagspitzsteig geht es Richtung Mittagspitze

Bis jetzt bin ich noch keiner Menschenseele begegnet, nur Spuren der Gämse im Schnee sind heute hier oben zu finden. Während ich das Panorama der Bergwelt von Montafon, Silvretta und Rätikon bestaune, taucht plötzlich eine kleine Gamsherde vor mir auf. Ich stapfe vorsichtig durch den Schnee, um die Tiere keinem unnötigen Stress auszusetzen. Sie mustern mich erst zwar skeptisch, setzen ihren Weg aber gemächlich weiter fort.

Gämse auf dem Mittagsteig
Gämse auf dem Mittagsteig

Ich folge dem Steig, der sich landschaftlich schön weiter schlängelt. Langsam erheben sich vor mir die schroffen Felswände der Tschaggunser Mittagspitze. Jetzt habe ich freien Blick auf den Gipfel.

Mittagsteig Richtung Tschaggunser Mittagspitze
Am Ende des Steigs wartet die Tschaggunser Mittagspitze auf mich

Über den Steig zum Gipfel der Tschaggunser Mittagspitze

Der Weg fällt kurz in ein Joch ab und schon bin ich am Einstieg, dem Mittagspitzsattel, angelangt. Ein Wegweiser weist darauf hin, dass der Weg zum Gipfel ungesichert und unmarkiert sei, von dem her macht der Schnee heute wohl keinen großen Unterschied in der Wegfindung.

Tschaggunser Mittagspitze Wegweiser
Kein Wegmarkierung? Kein Problem, liegt ja eh Schnee

Die ersten Meter Richtung Gipfel gehen noch gemütlich dahin, aber es wird schnell steiler.

Tschaggunser Mittagspitze Winterbesteigung
Hier beginnt der spannende Teil der Tour: es geht steil nach oben

Ich marschiere Richtung Felswand und steige in einem Kamin nach oben. Das Gelände ist blockig und gut gestuft, es finden sich überall gute Griffe und Tritte.

Tschaggunser Mittagspitze ungesicherter Steig
Ein Blick zurück zum Mittagsjoch

Obwohl man sich nie über den I. Klettergrad hinausbewegt, sollte man dennoch keine Höhenangst mitbringen. Für trittsichere Bergfexen ist die Klettereinlage jedoch schnell und genußvoll überwunden.

Auf dem Gipfel der Tschaggunser Mittagspitze

Über einen kurzen Grat erreicht man schließlich den Gipfel der Tschaggunser Mittagspitze.

Tschaggunser Mittagspitze Gipfelkreuz Selfie
Allein auf dem Gipfel – ein Hoch auf die Nebensaison

Von hier aus hat man einen schönen Blick auf Drei Türme, Sulzfluh, Rote Wand, die Silvretta-Hochalpenstrasse und vieles mehr. Während hier oben bereits der Winter Einzug gehalten hat, leuchten die Wälder im Tal in den schönsten Herbstfarben von Orange bis Gelb.

Ausblick Tschaggunser Mittagspitze Gipfelkreuz
Traumhafter Panoramablick von der Tschaggunser Mittagspitze

Ich genieße den ungestörten Ausblick (ein Hoch auf die Nebensaison!), esse eine Kleinigkeit und mache mich wieder an den Abstieg durch den Felskamin.

Tschaggunser Mittagspitze ungesicherter Abstieg durch Felskamin
Kurz durchatmen vor dem Abstieg

Der Abstieg ist eindeutig fordernder als der Aufstieg. Ein paar kniffelige Passagen sind dabei, aber ansonsten wäre es ja langweilig.

Tschaggunser Mittagspitze Abstieg
Ein paar knifflige Stelle sind dann doch dabei

Vom Mittagspitzsattel geht es nun über die Alpilaalpe abwärts Richtung Latschau-Staubecken, dem Herbst und der Wärme entgegen. Langsam weicht zwar die Kälte zurück, aber der Winter wird nun hoffentlich nicht mehr lange auf sich warten lassen. Heute war jedenfalls ein Kontrastprogramm angesagt, von eisiger Winterkälte bis zu warmem Herbstwetter.

Kontrastprogramm: Herbst im Tal, eisiger Winter am Berg
Kontrastprogramm: sonniges Herbstwetter im Tal, Eiszapfen und Frost auf der Tschaggunser Mittagspitze

Fakten:

Zeitbedarf: 5,5 Stunden
Höhenunterschied: 1300 m
Distanz: 12 km
Ausgangspunkt: Parkplatz Latschau
Einkehrmöglichkeit: Gauertalhaus und Alpe Alpila
Schwierigkeit: T4 / I (UIAA-Skala)

Karte Tschaggunser Mittagspitze über Tobelsee

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4 Kommentare:

    1. Hi Tessa,

      Danke, freut mich wenn es dir gefällt. Verwende eine japanische Kamera 🙂 die Fuji X-T1, eine sehr empfehlenswerte Kamera. Jetzt wo es bereits ein Nachfolgemodell gibt ist sie auch recht günstig erhältlich.

      Schöne Grüße, Martin

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