Leichtes Stativ für Outdoor-Einsatz: Rollei C5i Carbon im Test

Von Martin Stiegler

Die Wahl des richtigen Stativs ist schwer. Mit einem Stativ alle Anwendungsfälle perfekt abzudecken ist eigentlich unmöglich. Somit muss man sich meistens auf einen Kompromiss zwischen Leichtbau und Stabilität einlassen. In diesem Test werde ich mir ansehen, ob das Rollei C5i Carbon die richtige Wahl für die Outdoor-Fotografie ist.

Um das perfekte Stativ zu finden muss man sich erst einmal ansehen welche Extreme es gibt. Auf der einen Seite sind dies ultraleichte Reisestative, auf der anderen Seite schwere Studiostative. Reisestative besitzen ein sehr kleines Packmaß und sind konsequent auf Leichtbau ausgelegt. Durch den Leichtbau sind sie allerdings wackeliger als schwerere Stative und besitzen keine hohe Traglast. Windstöße oder teilweise sogar das Auslösen der Kamera sorgen bei Reisestativen schnell zu verwackelten Bildern.

Studiostative dagegen sind schwer und dadurch umständlich zu transportieren. Dafür sind sie extrem stabil und tragen auch schwere Kameras ohne Probleme.

Rollei C5i Carbon in der Hand
Leicht und handlich ist das Rollei C5i Carbon auf jeden Fall

Zwischen den beiden Extremen Reisestativ und Studiostativ liegen die sogenannten Allround-Stative. Und genau so eines ist das Rollei C5i Carbon. Es basiert auf dem vielfach bewährten Stativ Rollei C5i, ist durch die Carbon-Bauweise allerdings 300g leichter. Mit einem Gesamtgewicht von 1300g ist es noch gut tragbar und auch klein genug um es im Rucksack verstauen zu können.

Ich hatte das Stativ jetzt 3 Monate im Praxiseinsatz und möchte es dir hier in einem ausführlichen Testbericht vorstellen.

Fakten zum Rollei C5i Carbon

Bevor ich näher über meine Erfahrungen mit dem Rollei C5i Carbon berichte, erstmal die Fakten zum Stativ.  Das C5i Carbon wiegt mit Stativkopf 1,34 kg und trägt bis zu 8 Kilogramm. Damit sind dann auch große DSLR-Kameras mit schweren Teleobjektiven verwendbar. Bei meiner Fuji X-T1 ist die Traglast vernachlässigbar, da diese inklusive Objektiv nur ungefährt ein Kilo wiegt.

Rollei C5i Carbon im Test
Rollei C5i Carbon im Praxistest

Das Stativ lässt sich auf eine maximale Höhe von 157,5 cm ausfahren, bei einem Packmaß von 43 x 9 cm.

Die Beine bestehen aus vier Segmenten, drei davon sind verstellbar. Ein Bein lässt sich abschrauben und als Monopod nutzen.

Der 3D-Kugelkopf hat eine horizontale sowie eine vertikale Wasserwaage um die Kamera exakt auszurichten. Außerdem ist eine 360°-Skala für Panorama-Aufnahmen abgebildet. Die Schnellwechselplatte ist Arcaswiss-Kompatibel und somit sehr universal einsetzbar.

Lieferumfang

Im Lieferumfang findet sich nicht nur das Stativ mit Kugelkopf und Schnellwechselplatte, sondern auch zahlreiche Extras. Mit dabei sind ein Haken zur Befestigung eines Gewichts, eine Transporttasche, diverses Werkzeug sowie eine Gürteltragetasche.

Lieferungumfang des Rollei C5i Carbon
Lieferungumfang des Rollei C5i Carbon

Standbeine

Die drei Carbon-Beine sind in drei ausfahrbare Segmente unterteilt. Während typische Reisestative aus vier Segmenten bestehen um das Packmaß kleiner zu bekommen, finden sich beim Rollei C5i nur drei Segmente. Das Packmaß ist somit etwas größer, dafür steht das Stativ dann stabiler. Die erhöhte Stabilität ist meiner Meinung nach auf jeden Fall den etwas kleineren Abmessungen eines Reisestativs vorzuziehen. Statt 4-8 cm Packmaß-Gewinn bevorzuge ich eindeutig mehr Stabilität, gerade bei Langzeitbelichtungen.

Die Beine werden per Drehverschluss ausgefahren. Bisher hatte ich nur Stative mit Klickverschluss in Verwendung, deswegen war das Ausfahren der Stativbeine mittels drehen etwas gewöhnungsbedürftig.

Rollei C5i Carbon Stativbein Drehverschluss
Der Drehverschluss des Rollei C5i Carbon

Man gewöhnt sich jedoch schnell daran und kann dann mit einem Handgriff (bzw. einer Vierteldrehung) alle Beine auf einmal lösen. Sehr praktisch! Die Beine fallen allerdings nicht wie bei anderen Stativen mit der Schwerkraft nach unten, sondern müssen gezielt ausgezogen werden.

Die Drehverschlüsse fühlen sich sehr wertig an und lassen sich schnell und einfach feststellen sowie lösen.

Die Stativbeine lassen sich um 180° drehen, damit erreicht das Rollei C5i Carbon ein kleineres Packmaß. Zum Aufstellen klappt man einfach die Beine um und hört dann auf jeder Stufe ein Einrastgeräusch.

Rollei C5i Carbon Beinverstellung
Die Stativbeine des Rollei C5i Carbon funktioniert über einen Kipphebel

Wenn der gewünschte Winkel erreicht ist schiebt man nach dem Klickgeräusch einfach das Bein bis zum Anschlag zurück. Die einzelnen Beine lassen sich somit schnell und einfach in 3 Stufen einrasten. Mit Hilfe eines Kipphebels kann man die Sperre lösen und den Winkel ändern.

Am Ende der Beine befinden sich Gumminoppen die ein Verrutschen des Stativs verhindern. Diese Gumminoppen sind abnehmbar, dafür ist dann allerdings einiges an Kraftaufwand nötig. Unter den Noppen finden sich dann Metall-Spikes, welche je nach Untergrund einen besseren Halt für das Stativ bieten als die Gummifüße.

Unter den Gumminoppen sitzen beim Rollei C5i Carbon Metall-Spikes
Unter den Gumminoppen sitzen beim Rollei C5i Carbon Metall-Spikes

Zwei Beine sind gepolstert, das ist gerade im Winter als Kältschutz sehr angenehm. Die erste Polsterung aus Moosgummi ist fixiert, die zweite Polsterung aus Neopren lässt sich auch entfernen falls man noch ein paar Gramm Gewicht sparen will.

Aufbauhöhe

Das Stativ lässt sich auf eine maximale Höhe von 157,5cm ausfahren, für mich mit 171cm Körpergröße befindet sich das Stativ dann in perfekter Arbeitshöhe und ich habe sogar noch etwas Spielraum nach oben und unten.

Rollei C5i Carbon Aufbauhöhe
Die Aufbauhöhe lässt bequemes arbeiten zu

Auch das andere Extrem geht gut. Mit umgedrehter Mittelsäule oder flach ausgeklappten Beinen kann man die Kamera auch sehr bodennah montieren.

Rollei C5i Carbon in niedrigster Beinstellung
Rollei C5i Carbon in niedrigster Beinstellung

Verwendung als Einbeinstativ

Ein Bein lässt sich abschrauben und dann als Einbeinstativ nutzen. Diese Funktion ist für mich nice-to-have, aber ich persönlich habe wenig Nutzen für ein Einbeinstativ. Wenn du Anwendungsideen für ein Einbein hast, schreib mir gerne einen Kommentar dazu, würde mich interessieren.

Mittelsäule

Die Mittelsäule besitzt zwei Befestigungspunkte: einen gummierten Drehring wie bei den Stativbeinen und eine Feststellschraube. Die beiden Befestigungen sorgen zusammen für eine stabile Fixierung der Mittelsäule.

Rollei C5i Carbon Fixierung der Mittelsäule
Die Mittelsäule wird an zwei Punkte fixiert

Die Mittelsäule lässt sich herausnehmen und umgekehrt wieder einbauen. Dies ermöglicht es, die Kamera in sogenannter Retrostellung, also unterhalb der Stativbeine zu montieren. Das ist vor allem für Makroaufnahmen von Vorteil.

An der unteren Seite lässt sich außerdem ein Gewinde ausfahren. An diesem lässt sich dann der mitgelieferte Haken montieren um das Stativ bei Wind z.B. mit einem Rucksack zu beschweren. Durch das erhöhte Gewicht erreicht man dann eine höhere Stabilität.

Rollei C5i Carbon Drehgewinde für Haken
Durch Drehen lässt sich ein Gewinde ausfahren
Rollei C5i Carbon Haken
Nach dem Ausfahren des Gewindes lässt sich der mitgelieferte Haken aufschrauben
Rollei C5i Carbon Rucksack am Haken
Am Haken lässt sich dann ein Gewicht anhängen, z.B. ein Rucksack

Das ausfahrbare Gewinde ermöglicht es außerdem auch dazu, direkt einen zweiten Kugelkopf zu montieren. Somit muss man die Mittelsäule für Makroaufnahen nicht umbedingt aus dem Stativ herausnehmen, sondern schraubt einfach nur schnell den Kopf ab.

Das Gewinde am Kugelkopf ist außerdem drehbar. Auf der einen Seite sitzt ein 1/4 Zoll Gewinde, auf der anderen ein 3/8 Zoll Gewinde. Das 3/8 Zoll Gewinde nimmt den Kugelkopf auf. Um Gewicht zu sparen kann man auch den Kugelkopf weglassen und das Gewinde um 90° drehen. Jetzt lässt sich die Kamera auch direkt ohne Kugelkopf auf dem Stativ montieren.

Kugelkopf

Der Stativkopf überzeugt mit allen benötigten Funktionen. An der Unterseite findet sich eine Gradskala für Panoramaaufnahmen.

Rollei C5i Carbon Stativkopf
Der Stativkopf lässt keine Wünsche offen

Die Kugel ist mit einem großen Drehknopf fixierbar, dieser lässt eine stufenweise Druckeinstellung zu. Damit kann man den Stativknopf entweder voll fixieren oder sogar stufenlos in der Beweglichkeit verändern. Das seitliche Schwenken läuft extrem sanft, somit kann man den Kopf theoretisch auch für Videoschwenks einsetzen.

Auf dem Kugelkopf sitzt außerdem eine ARCA-Kompatible Schnellwechselplatte. Diese ist zwei Schrauben gegen versehentliches Herausrutschen gesichert. An der Oberseite finden sich Gummis damit die Kamera rutschfest und sicher aufliegt. An der Unterseite findet man eine Schraube, welche mittels eines Kipphebels werkzeuglos an der Kamera angebracht werden kann.

Rollei C5i Carbon Arca Swiss Platte
Werkzeuglos verstellbare Schnellwechselplatte

Fazit

Für nur 249,- Euro (bei Amazon) bekommt man ein grundsolides Stativ, mit dem man ein breites Einsatzspektrum abdecken kann. Die Verarbeitung ist erstklassig und der Lieferumfang begeistert. Das Rollei C5i Carbon kommt mit Kugelkopf, Tragetasche, Befestigungshaken, Gürtelhalterung und Ersatzgummifüßen. Die Spikes an den Stativbeinen sind gerade für Naturaufnahmen bei starkem Wind Gold wert, da sie richtig schön in der Wiese oder in Eis und Schnee verankert werden können. In Kombination mit dem Befestigungshaken (und angehängtem Gewicht) sitzt das Stativ bombenfest.

Mit 1300 Gramm ist das C5i Carbon relativ leicht und es lässt sich mit nur 43 cm Packmaß sehr gut im Rucksack verstauen. Für mich wird es auf jeden Fall mein neues Standardstativ welches ich in Zukunft bei meinen Outdoor-Unternehmungen immer im Gepäck habe werde.

Das Stativ ist um 249,- Euro bei Amazon erhältlich.


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