Test: Head Eight Boa Snowboard Boot

Von Martin Stiegler

Der Head Eight Boa ist das Topmodell der Head Snowboard-Boots. Der Schuh ist mit härterem Flexwert (8-10) auf erfahrene Rider ausgerichtet, die höchste Ansprüche an ihre Snowboardschuhe haben. Gerade zum Freeriden und bei hoher Geschwindigkeit braucht man einfach einen Boot der sehr responsiv ist und die Kraft direkt auf die Kante überträgt. Ich hatte den Boot diese Saison mit verschiedenen Snowboards unter allen Bedingungen im Einsatz. Hier mein Testbericht.

Die Schuhe sind einer der wichtigsten Aspekte beim Snowboarden. Sie stellen deine Verbindung zum Snowboard dar und sorgen im Idealfall dafür dass die Kraft wirkungsvoll auf das Brett übertragen werden. Beim Carven und im anspruchsvollen Gelände hilft ein härterer Flex. Gleichzeitig wünscht man sich im Tiefschnee einen weicheren Boot damit mehr Surf-Feeling aufkommt.

Head Eight Boa Snowboard Boot

Wichtig ist auch, dass der Innenschuh perfekt passt. Das heißt er darf nicht zu groß sein, sollte aber gleichzeitig auch keine Druckstellen haben. Da jeder Mensch unterschiedliche Füße hat und wenigsten Snowboard-Boots von der Stange weg perfekt passen, sollten sie im Idealfall thermoformbare Innenschuhe haben. Diese lassen sich perfekt an die eigene Fußform anpassen. Wenn mal ein perfekt passender Boot gefunden wurde, bleiben die meisten erfahrenen Rider diesem treu. Der Schuh meiner Wahl war bisher der Salomon Malamute, welchen ich seit Jahren immer wieder in der aktuellsten Version gekauft habe, sobald er durch war.

Head Eight Boa Snowboard Boot

Ich war auch kurz davor mir wieder einen neuen Malamute anzuschaffen, aber dann hatte ich die Möglichkeit bekommen den Head Eight Boa zu testen.

Der Head Eight Boa war bei mir bis jetzt gute 40 Tage im Einsatz. In verschiedensten Schneebedingungen und mit unterschiedlichsten Snowboards.

Anwendungsbereich

Wenn du auf der Piste zu den Schnellsten gehörst und beim Carven in jeder Kurve ans Limit gehst ist der Head Eight Boa ein Schuh für dich. Es ist ein Schuh für anspruchsvolle Backcountry-Lines und fürs steile Gelände in wechselnden Schneekonditionen. Ich würde den Boot nur für erfahrene Snowboarder empfehlen. Meiner Meinung ist er durch den härteren Flex einfach nicht für Anfänger geeignet.

Aber gehen wir den Schuh einmal von Innen nach Außen durch. In diesem Testbericht schaue ich mir an, wie der Head Eight aufgebaut ist und wie man ihn an die eigenen Vorlieben anpassen kann.

Head Eight Boa Innenschuh

Ein gut sitzender Innenschuh ist das Wichtigste bei einem Snowboard-Boot. Hat der Fuß hier zu viel Spiel, geht das auf Kosten der Boardkontrolle. Deshalb muss ein Innenschuh perfekt anliegen, natürlich ohne zu drücken. Im Gegensatz zu anderen Snowboardschuhen bietet der Head Eight sogar zwei Anpass-Optionen für den Innenschuh. Damit lässt er sich sehr gut an verschiedenste Füße anpassen. Neben der normalen Schnürung gibt es zwei Optionen: einerseits die Weitenverstellung im Vorderfußbereich mittels Klettverschluss sowie andererseits die Möglichkeit, den Schuh im Backofen anzupassen.

Head Eight Boa Innenschuh
Der Innenschuh des Head Eight Boa

Anpassung Innenschuh 1: Thermoformbarer Innenschuh

Der Innenschuh des Head Eight Boa ist thermoformbar. Das heißt der Schuh wird erstmal „gebacken“. Dafür wird der Innenschuh im Ofen erwärmt. Eventuelle Druckstellen werden direkt am Fuß abgeklebt. Nun schlüpft man in den warmen, weichen Schuh. Nun steht man ca. 10-15 Minuten in Fahrposition im Schuh. Dabei kühlt dieser ab und passt sich genau an den eigenen Fuß an. Am Ende ist der Innenschuh dann ausgehärtet und passt exakt zum eigenen Fuß. Der Vorgang kann mehrmals wiederholt werden. Mehr zum Aufbacken von Innenschuhen erfährst du bald in einem eigenen Blogbeitrag.

Das Anpassen im Backofen funktioniert jedenfalls perfekt, eine Druckstelle am linken Schuh habe ich mir noch abgeklebt, anschließend war sie dann weg.

Da ich aber einen schmalen Fuß habe, hatte ich noch minimalen Spielraum nach oben. Das heißt, beim Fahren bewegt sich mein Fuß etwas auf und ab. Das darf natürlich nicht sein, da man auf dem Snowboard eine sehr direkte Kraftübertragung möchte. Aber der Head Eight bietet noch eine weitere Anpassmöglichkeit des Innenschuhs. Diese habe ich so noch bei keinem anderen Schuh gesehen.

Anpassung Innenschuh 2: Klettverschluss zum Verstellen der Weite

Im Knöchelbereich befindet sich ein Klettverschluss, mit dem sich die Weite des Innenschuhs anpassen lässt. Da ich relativ schmale Füße habe, sind mir viele Snowboardboots zu breit geschnitten. Gerade im Knöchelbereich habe ich dann etwas Spiel, was bei Snowboard-Schuhen unbedingt vermieden werden sollte. Erstens wird der Fuß extrem beansprucht wenn er Spiel nach oben und unten hat, zweitens ist die Kraftübertragung aufs Board natürlich suboptimal.

Head Eight Boa Innenschuh verstellen
Weitenverstellung des Innenschuhs – so findet jeder Fuß Platz

Hier kommt jetzt die Weitenverstellung beim Head Eight Boa zur Anwendung. Mit dem Klettverschluss lässt sich die Weite des Schuhs einfach und schnell verstellen. Damit lässt sich der Schuh perfekt an den eigenen Fuß anpassen.

Durch das Schnürsystem des Innenschuhs wird der Fuß zusätzlich richtig gut nach unten gezogen.

Powerstrap für guten Sitz der Zunge

Richtig gut finde ich auch den Powerstrap oben am Innenschuh. Dieser hält die Zunge des Schuhs in Position und verhindert Bewegung im oberen Bereich des Liners. Das Problem bei vielen anderen Snowboard-Boots ist, dass sich die Schnürung des Innenschuhs mit der Zeit lockert, da sich die Zunge beim Fahren minimal hin- und herbewegt. Somit muss man den Innenschuh mehrmals am Tag wieder fester anziehen. Durch den Klettverschluss mit Powerstrap sitzt der Innenschuh beim Head Eight den ganzen Tag lang bombenfest. Ich musste ihn bisher nie nachziehen, auch wenn ich von der ersten bis zur letzten Gondel durchgefahren bin. Ein wirklich gut durchdachtes Detail!

Head Eight Boa Powerstrap Innenschuh
Der Klettverschluss am Innenschuh verhindert das Lockern der Zunge

Head Eight Boa Außenschuh & Härteverstellung

Der Außenschuh beim Head Eight Boa besticht durch extrem cleanen Look. An den meisten Stellen wurde mit Laserstiching gearbeitet, damit hat er weniger Schichten und Nähte. Der Vorteil ist, dass weniger Wasser eintreten kann und der Snowboard Boot dadurch auch etwas gewichtsreduzierter gebaut werden kann.

Head Eight Boa Snowboard Boot

Einzig die etwas klobig wirkende Spitze des Boots fällt etwas aus dem Rahmen. Durch das aufgeraute Material, welches die gesamte Zehenpartie umfasst, halten sich die Toe-Straps jeder Bindung rutschfest in Position.

Head Eight Boa mit Jones Lone Wolf
Die aufgeraute Zehenpartie verhindert ein Verrutschen der Toe-Straps

Diese rutschfeste, aufgeraute Zehenpartie hat aber leider auch die Eigenschaft, dass es auf Schnee fast wie ein Magnet wirkt. Wenn man mit dem Schuh beim liftunterstützten Freeriden für kurze Hikes durch Tiefschnee läuft, bleibt auf der Schuhspitze doch einiges kleben. Während am restlichen Boot der Schnee wie auf einer Teflonoberfläche abgleitet, muss die Spitze dann doch etwas abkratzen. Dieses Problem hatte ich aber nur wenn ich wirklich durch den Schnee gelaufen bin. Beim normalen Fahren auf der Piste oder beim Freeriden ohne Zustieg trat das Problem nicht auf.

Sohle und Bootpacking

Zum Außenschuh gehört auch die Sohle. Diese hat einen guten Grip, auch auf glatten Snowboards.

Sohle Head Eight Boa Snowboardschuh
Rutschfeste Sohle

Auch zum Bootpacking eignet sich der Head Eight Boa gut. Tritte lassen sich gut schlagen und mit der griffigen Sohle kann man auch mal über Eispassagen klettern.

Bootpacking Head Eight Boa Snowboardschuh

Wichtiger als der Look ist sicher wie gut die Schnürung funktioniert. Beim Head Eight Snowboardschuh lassen sich der obere sowie der untere Bereich des Boots individuell verstellen.

Befestigung & Schnürung im unteren Bereich

Der untere Bereich des Schuhs wird über ein Boa-System geschnürt. Zu Boa muss wohl nicht mehr viel erklärt werden (falls es Fragen dazu gibt nutze die Kommentarfunktion unten). Das System funktioniert über ein Drehrad, welches durch Drehen dünne Metallseile anspannt. Über den Boa-Drehmechanismus kann man den unteren Fußbereich sehr gut anziehen und enger machen. Dadurch wird der Fuß richtig schön nach hinten und gleichzeitig nach unten gezogen. Die Ferse sitzt somit bombenfest. Genau wie es sein soll.

Powerstraps mit Klettband statt klassische Schnürung

Zwei verschiedene Straps mit Klettverschluß im oberen Bereich ersetzen beim Head Eight ein klassisches Schnürsystem. Ich fahre zum ersten Mal einen Boot welcher nicht über eine klassische Schnürung oder ein Schnellschnürsystem verfügt. Am Anfang war ich skeptisch, aber mittlerweile bin ich voll überzeugt. Durch den umgelenkten Klettverschluß lässt sich der Schuh im oberen Bereich sehr schnell und präzise wie gewünscht einstellen. Der obere der zwei Straps verfügt über einen Flaschenzug. Damit kann ohne großen Kraftaufwand richtig eng zumachen.

Head Eight Boa Snowboard Boot
Powerstraps statt normaler Schnürung funktionieren erstaunlich gut

Während sich der Schuh zwar extrem fest zumachen lässt, ist es gleichzeitig auch möglich, eine sehr präzise Einstellung vorzunehmen. Damit lässt sich der Schuh auch etwas „softer“ fahren, wenn man die Straps nicht voll anzieht. Gerade an den richtig guten Powdertagen mit viel Neuschnee fahre ich persönlich lieber einen Boot, welcher etwas weicher ist und somit ein surfiges Feeling vermittelt. Dafür lässt sich der Boot mit vier Flex-Adjustern zusätzlich noch etwas weicher machen.

Härtegrad des Head Eight Boa mit Flex Adjustern anpassen

Die Krux jedes Snowboardboots: In anspruchsvolleren, wechselhaften Bedingungen, mit längeren Boards, in steilen Hängen und zum Carven, brauche ich einen Boot welcher hart und direkt ist. Zum Cruisen, im Powder und im Park will ich aber einen eher weicheren Flex. Dafür braucht es eigentlich zwei verschieden Boots. Aber der Head Eight Boa schafft den Spagat einerseits durch die bereits erwähnten Powerstraps, andererseits durch die Flex Adjuster im Innenschuh.

Head Eight Boa Flex Adjuster
Das Entfernen der Flex Adjuster macht den Boot etwas softer

Werden die Flex Adjuster entfernt, wird der Schuh etwas weicher. „Weich“ ist bei einem Boot mit einem Flexwert von 8-10 natürlich relativ. Aber wenn man den Schuh normalerweise bombenfest zuzieht und jetzt zur Abwechslung mal den Klettverschluss etwas lockerer macht sowie die Flex Adjuster herausnimmt, fühlt er sich dann doch schön soft und „surfy“ an. Im hüfttiefen Powder oder beim Pistensurfen im Sulzschnee ideal.

Freeride Brandnertal
Surfy feeling ohne Flex-Adjuster

Fazit zum Head Eight Boa

Wenn du einen Boot suchst, mit dem du mit Höchstgeschwindigkeit jeden Berg runterbrettern kannst und volle Boardkontrolle brauchst, dann ist der Head Eight Boa der ideale Schuh für dich. Der harte Flex überträgt die Kraft direkt auf die Kante deines Snowboards. Fürs Highspeed-Carven auf der Piste und anspruchsvolle Freeride-Lines kann der Boot ja nie steif genug sein. Für die richtig tiefen Powdertage lässt er sich etwas weicher machen, dann kommt dann auch mehr Surf-Feeling auf. Damit lässt sich der Boot sehr gut auf die eigenen Vorlieben anpassen.

Auch die Passform ist extrem gut: der Innenschuh ist thermoformbar und lässt sich sogar zusätzlich über einen Klettverschluss in der Weite anpassen.

Alles in allem ist der Schuh definitiv nichts für Snowboard-Anfänger. Aber ich kann den Schuh mit bestem Gewissen jedem erfahrenen Snowboarder, welcher gerne Boots mit härterem Flex fährt, weiterempfehlen.

Erhältlich bei Warehouse One oder Amazon.

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